Steve Jobs Walter Isaacson: Steve JobsWalter Isaacsons Steve Jobs-Biographie könnte es zum Buch des Jahres schaffen. Leider profitiert das Buch vom Tod des Apple-Gründers. Der Hype um Jobs wird hier, fast selbstverständlich, für das Buch ausgenutzt, was aber keinesfalls unverständlich ist und die Arbeit daran schmälern soll. Im Gegenteil. Isaacson schafft es in diesem Buch unparteiisch das Leben von Steve Jobs wiederzugeben.

Viele frühere, inoffizielle Biographien huldigen oder verreißen Jobs. Er ist der Dämon oder der Heilbringer. Der Autor versteht es in diesem Buch jedoch geschickt, dem Leser sein eigenes Urteil zu erlauben. Indem er diametrale Positionen und Meinungen gegenüberstellt, kann man sich die Argumente anhören und zu einem eigenen Bild kommen. Zudem ist es dem Bemühen des Autors zu verdanken, dass wir eine gut recherchierte Sichtweise auf die Vergangenheit erhalten. Die verschiedensten Menschen kommen zu Wort und erzählen ihre eigene Geschichte und Sichtweise der Dinge.

Aus heutiger Sicht würde man bei Jobs wohl ein Borderline-Syndrom diagnostizieren. So kann er zu tiefem Mitgefühl und Romantik im Stande sein, wie zu kompletter Ignoranz und Herrschsüchtigkeit. Vielleicht war genau diese Kombination nötig, um die Dinge zu schaffen, die uns heute das Leben erleichtern und es geradezu revolutioniert haben.

Einziger Kritikpunkt ist die etwas saloppe Übersetzung des Buches ins Deutsche. Wer also des Englischen mächtig ist, sollte sich überlegen das Original zu lesen.


Der dunkle Thron Die Waringham Saga Bd.4 Der dunkle Thron – Band 4Der vierte Band der Warhingham-Saga: Der dunkle Thron kommt fast ein wenig überraschend. Denn nach dem dritten Teil dachte man schon, es wäre vorbei. Doch Rebecca Gablé hat ein Ohr und ein Herz für ihre Leserschaft und beschert ihnen den so sehnsüchtig gewünschten weiteren Teil. Der Rosenkrieg aus den ersten drei Bänden ist jedoch endgültig vorbei, weshalb es im vierten Teil einen Zeitsprung hin zur Reformation gibt.

Henry Tudor VIII ist wohl einer der interessantesten und sagenumwobensten Könige Englands. Sein Bestreben, sich der katholischen Kirche zu entsagen, brachte einen gewaltigen Umbruch für das Land und die Menschen. Der dunkle Thron ist demnach mehr als bloße Unterhaltung. Das Buch ist wie eine Geschichtsstunde der damaligen Zeit und illustriert anschaulich die damaligen Umstände.

Die Charaktere werden zuweilen etwas einseitig dargestellt, so ist Mary hier die Gute, während Henry VIII als das Böse schlechthin dargestellt wird. Doch das tut der eigentlichen Handlung keinen Abbruch. Nicholas „Nick“ steht eine harte Zeit bevor, in der er als 14-Jähriger den Tod seines Vaters verkraften muss, die Baronie vor dem Untergang zu retten versucht und überdies sein Versprechen einlösen will, Mary zu beschützen. Reichlich viel für einen Teenager möchte man meinen.

Wer bisher noch nicht das Vergnügen hatte die Warhingham-Saga von Beginn an zu verfolgen, sollte die Gelegenheit nutzen und mit dem ersten Band beginnen: Das Lächeln der Fortuna.


Die Larve Harry Holes 9. Fall Jo Nesbo   Die LarveHarry Hole is back. Nach drei Jahren im selbstgewählten Hong Konger Exil treibt es ihn erneut nach Norwegen zurück. Der Sohn seiner großen Liebe, Rakel, ist von der ansässigen Polizei schnell zum Tatverdächtigen in einem Mordfall erklärt worden und Harry hofft nun, seine Unschuld beweisen zu können.

Oleg, Rakels Sohn, soll einen Drogendealer umgebracht haben. Bei seinen Ermittlungen stößt Harry auf das Norweger Drogenmilieu, welches ungeahnte Kreise zieht und selbst bei Beamten und weiteren hochrangigen Gesellschaftsmitgliedern nicht haltmacht. Leicht nachvollziehbar, dass Harry sich damit in Gefahr bringt und den Interessen vieler weiterer Akteure zuwiderläuft, die lieber im Dunkeln weiteragieren möchten. Eine neue Droge – Violin – sorgt in der Drogenszene für Furore. Nicht so tödlich wie Heroin, dabei aber länger wirksam. Alle Versorgungswege enden bei einem mysteriösen Geist namens „Dubai“.

In Nesbos neustem Roman – Die Larve – hat sich der Autor dazu entschieden, zwei Erzählstränge zu wählen. Den des allwissenden Erzählers und den des Opfers Gusto. Das führt insbesondere zu Beginn zu einiger Verwirrung, sorgt aber letztlich für die entscheidenden Puzzleteile zur Aufklärung des Falls. Manchem Leser mag der Anfang noch zu wenig actionlastig sein. Das ändert sich jedoch spätestens zur zweiten Hälfte des Romans und sorgt für jede Menge Spannung und den typischen Nesbo-Überraschungseffekt zum Schluss.


Septagon Richard Montanari – SeptagonSeptagon ist der mittlerweile vierte Band einer Romanserie von Richard Montanari, die sich um das Ermittlerduo Kevin Byrne und Jessica Balzano dreht. Die beiden Sonderermittler werden auch hier von der Mordkommission hinzugezogen, da diese auf der Stelle tritt.

Der Fall handelt von einem Mädchen in der Glasvitrine. Die Spuren führen zu einer älteren Dame, die aber kurze Zeit später selbst tot ist. Zurück bleibt eine kryptische Botschaft.

In seinem neusten Werk geht der Autor erneut den Weg einer zweigeteilten Perspektive. So weiß der Leser, im Gegensatz zu den Ermittlern, schon recht früh, wer der Serienmörder ist. Fans von Spannung bis zum letzten Augenblick und einem verdeckten Täter können sich hier demnach nicht austoben. Allerdings schafft es Montanari die Spannungskurve durch geschickte Perspektivenwechsel aufrechtzuerhalten.

Zudem bietet das äußerst detaillierte Psychogramm des Mörders einen tiefen Einblick in dessen Gedankenwelt. Man schaut ihm quasi über die Schulter. Obwohl die Brutalität dosiert eingesetzt wird, ist das nur etwas für starke Nerven.

Nichtsdestotrotz werden einige überraschende Wendungen eingebaut, so dass nicht alles vorhersehbar ist. Das verleiht dem Thriller eine besondere Atmosphäre und hält die Leser bei Laune.

Erneut ein hochinteressanter Krimi von Montanari. Sowohl für Neueinsteiger als auch für Fans der Serie geeignet.


Carneval Craig Russell – CarnevalEin Schotte, der über den Karneval in Kölle schreibt..!? Doch Craig Russell macht seine Sache mehr als gut. Der Autor hat einen Faible für Krimis, die in Deutschland spielen. Das hat ihm immerhin für seine gute Darstellung der Polizeiarbeit schon eine Auszeichnung vom Hamburger Polizeipräsidenten und Innensenator eingebracht.

Auch in Carneval geht es erneut um Hauptkommissar Jan Fabel. Er ist aufgrund verschiedener Schicksalsschläge und des Traumas einer guten Kollegin der Arbeit überdrüssig geworden. Es sollen seine letzten Wochen im Dienst sein. Ein Kölner Kollege bittet ihn allerdings um Rat in einer mysteriösen Mordserie mitten zur Karnevalszeit. Ein als Clown verkleideter Serientäter tötet zunächst seine Opfer und schneidet ihnen dann auch noch ein Stück Fleisch aus dem Allerwertesten. Fabel kann nicht widerstehen und führt die Ermittlungen fort. Er stößt dabei auf ein Geheimnis, das seine Wurzeln im Kannibalismus hat.

Russell versteht es, das Lokalkolorit gut wiederzugeben und zeichnet seine Protagonisten sehr gefühlvoll und authentisch. Ihre Schwächen und Ängste sind überzeugend und harmonieren sehr gut mit dem kontinuierlichen Spannungsbogen, der letztlich in einem fulminanten Finale mündet. Die einzelnen Handlungsstränge werden gut verwoben, was dem Leser kaum eine Verschnaufpause lässt und das Buch zum Page-Turner macht. Wieder eine ausgezeichnete Arbeit!


Walküre Craig Russell – WalküreEin deutscher Krimi von einem nichtdeutschen Autor. Das musste ich mir natürlich näher anschauen. Und ich wurde nicht enttäuscht. In Craig Russells Krimi – Walküre hat es der Leser zu Beginn gleich mit zwei Handlungssträngen zu tun. Der erfahrene Krimi-Leser wird sich schnell darüber im Klaren sein, dass das kein Zufall sein kann.

Zum einen haben wir es mit einem Mord an einem englischen Popstar in Hamburgs Rotlichtviertel zu tun. Ist es der Engel von St. Pauli, der schon vor über zehn Jahren hier sein Unwesen trieb, indem er viele Männer kaltblütig ermordete und sie anschließend kastrierte? Oder haben wir es mit einem Nachahmungstäter zu tun, wie es Hauptkommissar Jan Fabel vermutet?

Vielleicht gibt es mehr Parallelen zu den Walküren. Eine Mördereinheit, bestehend aus drei Frauen, die bis zur Stasi zurückreicht.

Der Roman ist spannend und vor allem zackig geschrieben. Als Leser kommt man kaum zur Ruhe und muss den vielen Zwischensequenzen und Querverbindungen gut folgen, um am Ball zu bleiben. Das ist nicht zu schwer, erfordert aber Konzentration. Demnach nichts für nebenbei. Obwohl man schon zu Beginn mit der Nase auf gewisse Dinge gestoßen wird, ist das dem Spannungsbogen nicht abträglich und auch das Finale weiß in seinem Umfang voll zu überzeugen.


Die Sammler David Baldacci – Die SammlerDavid Baldacci gehört seit seinem Debütroman „Der Präsident“ zu DEN Autoren, wenn es um Politthriller geht. Mittlerweile sind etliche Bücher erschienen und er hat sich zwei besondere Serien einfallen lassen. Zum einen geht es um das Ex-Secret-Service-Ermittlerduo Maxwell und King. Zum anderen um den „Camel Club“, bestehend aus ehemaligen Staatsbediensteten, oftmals aus dem Geheimdienst, die überall eine Verschwörung wittern. Genau um diesen Camel Club geht es auch im Roman Die Sammler.

Die Tode des Sprechers des Repräsentantenhauses und des Leiters der Kongressbibliothek nur drei Tage später können kein Zufall sein. Zumal der Stellvertreter des Leiters der Kongressbibliothek bemerkt, dass ein wertvolles Buch fehlt, was später beim Opfer zu Hause gefunden wird. Er verständigt die Wächter des Camel Clubs, woraufhin diese umgehend mit ihren Ermittlungen beginnen.

Die Sammler ist nicht unbedingt der typische Politthriller. Zwar bemüht sich Baldacci um gewisse Ernsthaftigkeit, doch wirkt der Roman an vielen Stellen komisch, was sicher auch gewollt ist. Man könnte fast meinen, man hat es mit der Erwachsenenversion der drei ??? zu tun. Nichtsdestotrotz enthält das Buch eine große Spannung und verleitet zum Weiterlesen.

Wer leichte Unterhaltung sucht, Politthrillern nicht abgeneigt ist, aber dennoch ein Prise Humor verträgt, ist hier goldrichtig. Man darf die Sache nur nicht zu ernst nehmen.