Der Professor John Katzenbach   Der ProfessorIst das Gedächtnis eines Menschen wirklich so unbestechlich, wie wir meinen? Adrian Thomas ist sich hierbei nicht mehr so sicher, denn seit der intellektuelle und hochbegabe Psychologieprofessor an Demenz erkrankt ist, lassen ihn sein Gehirn und seine mentalen Fähigkeiten immer häufiger im Stich. So wird er eines Tages Zuschauer einer Straftat und ist sich selbst nicht sicher, ob das Gesehene wirklich real war und er einer Halluzination zum Opfer gefallen ist.

Im Zuge einiger Nachforschungen stellt Adrian schließlich fest, dass er tatsächlich eine Entführung beobachtet hat und versucht die Polizei zu überzeugen, weitere Ermittlungen einzuleiten. Aufgrund der fehlenden Be- und Hinweise gehen die Beamten zunächst noch sehr zögerlich mit dem Fall um, ohne zu wissen, welches Ausmaß diese Straftat tatsächlich hat, denn das Opfer wird auf brutalste Weise gefoltert und für sadistische Spiele gefangen gehalten.

Die deutliche Sprache des Buches lässt den Leser sehr nah am Geschehen teilhaben und ist ganz sicher nichts für allzu zartbesaitete Personen. Denn obwohl die Szenen nicht reißerisch beschrieben werden, erhält man ein sehr klares Bilder der Szenerie und leidet mit dem Opfer. Hier wird besonders mit der schrecklichen Gewissheit gespielt, dass solche Grausamkeiten tatsächlich irgendwo stattfinden können.

Bestseller-Autor John Katzenbach hat mit seinem Roman „Der Professor“ erneut bewiesen, dass er ein absoluter Meister seines Faches ist und sich ganz besonders gut darauf versteht, das bildhafte Grauen seiner Erzählwelt in fesselnde Worte zu verpacken.


Jussi Adler-Olsen, der Krimi-Autor schlechthin, begeistert nicht nur in seinem Heimatland Dänemark, sondern auch in Deutschland mit seinen Thriller-Romanen. In dem Buch „Das Alphabethaus“, welches 2012 hierzulande veröffentlicht wurde, wird die Geschichte zweier britischer Piloten, die Ende des Zweiten Weltkrieges mit deren Flugzeug auf deutschem Gebiet abstürzen, erzählt. Beide Piloten kennen sich seit der Kindheit und sind seither beste Freunde. Um nicht auf deutschem Boden in Gewahrsam genommen zu werden, entscheiden sich James und Bryan dazu sich in eine psychiatrische Klinik dem „Alphabethaus“ einweisen zu lassen und simulieren von dort an psychisch traumatisierte Offiziere zu sein. Von Tag zu Tag geben sich die beiden als Patienten aus und m33361843n4 150x150 Das Alphabethaus von Jussi Adler Olsenüssen miterleben was sich in solch einer Nervenklinik abspielt. Die Tatsache sich ein Leben lang verstellen zu müssen und so zu tun als wäre man jemand anderes, ging besonders an Bryan nicht ohne Weiteres vorbei. So entschließt er sich aus der Anstalt zu fliehen und seinen besten Freund im Stich zu lassen.

An diesem Punkt wird klarer, worum es wirklich in diesem Roman geht. „Das Alphabethaus“ handelt nicht nur vom Kriegsgeschehen in Deutschland, sondern viel mehr von Freundschaften, dem menschlichen Versagen und der Tatsache Menschen im Stich zu lassen. Olson schildert in dem Nachwort seines Romans, inwieweit die Tatsachen auch sein Leben geprägt haben. Denn er selber ist, aufgrund des Berufes seines Vaters als Psychiater, in einer psychiatrischen Klinik aufgewachsen und verbrachte dort seine Kindheit. Aufgrund dieses Erlebnisses ist er sehr oft in Kontakt mit psychisch gestörten Patienten gekommen und konnte in der Umsetzung seines Romans umso authentischer wirken.


Einmal durch die Hölle und zurück Einmal durch die Hölle und zurückMit seinem Debütroman „Schneller als der Tod“, konnte Josh Bazell, selbst studierter Literat und Arzt die Krimiwelt auf ein ganz neues Level führen. Klar, dass man bei seinem Nachfolger: „Einmal durch die Hölle und zurück“ nicht weniger erwartet. Doch wer nun angesichts dieses Titels einen reißerischen, blutrünstigen Thriller erwartet, wird schwerlich enttäuscht. Stattdessen gelingt es dem Autor aufs neue scheinbar unvereinbare Genre miteinander zu verknüpfen und eine Krimi-Chimäre zu zaubern.

Tatsächlich geht es in seinem neusten Werk erneut um den Ex-Mafiakiller Pietro Brwna. Dieser wird von einem IT-Millionär angeheuert die schöne, aber beziehungsgestörte Paläontologin Violeta auf ihrer Mission zu beschützen. Es geht um die Suche nach einem Monster. Nein, kein Serienkiller oder dergleichen. Ein wirkliches Monster, im Sinne von Nessie. Doch es soll sich in einem See in Minnesota befinden. Eine ausgewählte Gruppe von Jägern macht sich daran, dieses Ur-Vieh ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen. Überwacht von einem eigens dafür engagiertem Schiedsrichter, von dem ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten möchte. Nur so viel. Es ist eine freudige Überraschung.

Mit seinem ungewöhnlichen Stil, dem beißendem Humor und der eingebauten Gesellschaftskritik, hat Bazell erneut einen hochinteressanten Krimi geschaffen, der weit über das Übliche Maß von Ermittler fängt Täter-Romanen hinausgeht. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass es hier nicht allein um den Spannungsbogen geht, sondern der Subtext das Salz in der Suppe ist.


17
Jan 12

Zug um Zug

Zug um Zug Zug um ZugDas Buch „Zug um Zug“ von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück, hat nicht nur ob seines Inhaltes am Tage seiner Veröffentlichung für Wirbel gesorgt. Bereits das Buchcover schaffte es, wohl zum Leidwesen der Herausgeber, in die Presse. Denn die Anordnung der Schachfiguren ist keinesfalls korrekt, was man damit begründete, dass alles schnell gehen musste beim Fototermin. Doch das nur als Randbemerkung.

Viel wichtiger ist in der Tat der Inhalt. Es wird ein Dialog der beiden Politiker herausgeformt, der zwar nicht wirklich in Zwiegesprächen, aber durchaus in kleineren gegensätzlichen Meinungen mündet. Die jeweiligen politischen Laufbahnen werden dabei genauso beleuchtet, wie gewisse Weggefährten (Oscar Lafontaine, Thilo Sarrazin). Dabei bekommt jedoch niemand sein „Fett weg“. Es wird durchgängig auf eine sachliche Formulierung geachtet.

Zunächst behandeln die Kapitel die allgemeine geopolitische Lage, sei es zu Russland & Polen oder dem Nahen Osten. Einstweilen wird auch versucht das Bild eines modernen Politikers zu zeichnen und wie dieser sich zu geben hat. Aber auch selbstkritisch wird auf Versäumnisse eingegangen, wie das Tabuisieren der Integrationsproblematik seitens der SPD. Zum Schluss geht man noch auf die aktuelle Finanzkrise ein, ohne jedoch tatsächlich allzu viel Neues dazu beizutragen.

Überhaupt geht es in dem Buch weniger um das Finden von Lösungen, als mehr darum einen fundierten Einblick zu gewähren, um Hintergrundwissen anzusammeln und Rahmenbedingungen besser zu verstehen. Daher auf jeden Fall lesenswert!


Sommerhaus mit Swimmingpool Sommerhaus mit SwimmingpoolMit „Angerichtet“ hat der niederländische Autor Herman Koch bereits einen Roman veröffentlicht, der die Abgründe des menschlichen Seins aufdeckt. Weniger in reißerischer Manier, denn mit sehr subtilem Charakter zeichnet er ein Abbild der Umgebung und gibt dem Leser einen Einblick ins Innerste seiner Figuren.

Psychologisch faszinierend fängt auch dieses Buch geradezu banal an. Wir erfahren von Marc Schlosser, seines Zeichens Allgemeinarzt, der sich allmählich mit Ralph Meier anfreundet. So geschieht es, dass beide samt Familien im Sommerhaus mit Swimmingpool ihren Sommer in Frankreich verbringen. In einem Rückblick werden die Geschehnisse dieser folgenschweren Begegnung aufgearbeitet und die Abgründe von vermeintlich normalen Menschen aufgedeckt.

In einer Rückschau erzählt der Autor von den Ereignissen und lässt den Leser mit jeder Seite weiter in die Psyche seiner Protagonisten. Es geht um Vertrauen und Misstrauen, von Fehleinschätzung und dem alltäglichen Wahnsinn.

Wie sehr kann man sich in seinem Gegenüber irren, es falsch einschätzen? Dieses Buch einen spannenden Thriller zu nennen, wird ihm nicht annähernd gerecht, denn man darf es nicht mit den üblichen Krimis gleichsetzen. Wer ein Blick hinter die Kulissen der menschlichen Natur werfen möchte, ist hier goldrichtig. Schlüssig aufgebaut und mit dem Prädikat: Pageturner!


5
Jan 12

Ja, aber…

ja aber buch Ja, aber…Habt ihr euch schon einmal Gedanken zu eurer Sprache gemacht? Nein? Dann wird es höchste Zeit! Denn obwohl alltäglich eingesetzt, wird die Sprache von den meisten sträflich vernachlässigt. Dabei birgt sie ein ungeheures Potential und vermag unser ganzes Handeln zu bestimmen.

Die Autorin Leila Kühne de Haan hat in ihrem Buch: Ja, aber… die alltägliche Stolperfallen aufgelistet, die sich in unsere Sprache eingeschlichen haben. So handelt gleich das erste Kapitel von dem unscheinbaren, aber mächtigen Wort „aber“. Wir würden gerne dies und das tun, aber… Sofort relativieren wir und versperren uns den weg oder geben unserem Gegenüber keine klare Aussage. Anhand von praxistauglichen Beispielen verdeutlicht die Autorin ihren Standpunkt und hilft dem Verständnis des Lesers auf die Sprünge.

Das Buch ist nichts für nebenbei. Denn obwohl die Kapitel knackig und knapp gehalten sind, sollte man mit voller Konzentration ans Werk gehen. Das Gelesene ist zu wichtig, um es nur zu überfliegen und kann euch tatsächlich helfen über sich selbst, seine Sprache und vor allem die eigene Gedankenwelt zu reflektieren.

Eben ein klassischer Ratgeber, der aber nicht abgedroschen wirkt, sondern lebensnahe Hilfe bietet. Die Sprache, der sich die Autorin bemächtigt, ist im Übrigen leicht verständlich, was dem Lesegenuss entgegenkommt.