33422412n Roald Amundsen – Die Eroberung des SüdpolsGleich drei Buchtipps wollen wir präsentieren. Da ist zum einen Rainer-K. Langer mit “Duell im ewigen Eis”, Guido Knopp mit “Der Wettlauf zum Südpol” und Roald Amundsen selber, der in “Die Nordwest-Passage” von seiner Polarfahrt auf der Gjöa erzählt. Zwischen 1903 und 1907 war er mit dem Fischkutter Gjöa unterwegs. Auf der Suche nach einem Seeweg durch das Eis-Labyrinth der Arktis. Die spannende Suche beschert ihm nicht nur eine neue Seeroute sondern auch einen Rekord: Amundsen wird der erste Mensch, der die Nordwestpassage durchquert. Leider sind es “nur 319” Seiten auf denen wir den kühnen Abenteurer und Forscher Amundsen erleben dürfen, aber sie sind dennoch fesselnd und ein starkes Stück Zeitgeschichte.

Damit kennt sich auch Guido Knopp aus. Als Hitler-Kenner erleben wir ihn in immer neuen Reportagen im Fernsehen. Wir erinnern uns an seine Zeit bei Sat 1, wo Knopp, begleitet durch reißerische Musik, durch das Grauen der Hitler-Ära führte. Und wir denken erleichtert an die Zeit des Dokumentars im öffentlich rechtlichen Fernsehen, wo es deutlich ruhiger aber nicht minder ergreifend zugeht. Amundsen muss einen ähnlichen Eindruck auf den Professor für Geschichte gemacht haben, denn in “Der Wettlauf zum Südpol” beschreibt Knopp den tragischen Wettkampf zwischen Amundsen und den Engländer Scott. Amundsen sollte am Ende über Scott triumphieren und als Einziger heil vom Südpol zurückkehren. Über 100 Jahre ist diese bewegende Tragödie her und so widmet sich auch Guido Knopp diesem fesselnden Thema.

Doch eigentlich geht es um Rainer-K. Langer und seine Schilderung vom “Duell im ewigen Eis”. Fast wie ein Roman liest sich das 209 starke Buch. Das Ende jedoch bleibt auch hier das selbe: Amundsen erreicht den Südpol 4 Wochen vor Scott, dem nur der Tod im ewigen Eis bleibt: auf der Rückkehr verlassen der englischen Polmannschaft die Kräfte und nur wenige Kilometer vor dem rettenden Proviantlager, stirbt das englische Team. Spannender und tragischer ist nicht mal der beste Thriller. Deshalb ein unbedingter Lese-Tipp für alle, die sich ein heißes Thema über Eiseskälte wünschen.


34455986n Iny Lorentz – Die Rache der WanderhureMarie ist die Wanderhure. Heute jedoch sesshaft und mit ihrem Ehemann Michael auf Burg Hohenstein lebend. Bis sie eines Tages ihre Vergangenheit einholt und sie sich den Dämonen ihres früheren Lebens, in Gestalt ihres größten Widersachers, stellen muss. “Die Rache der Wanderhure” ist nicht so sehr Roman, denn Nacherzählung des gleichnamigen Films. Schauspielerin Alexander Neldel verkörpert die Wanderhure und sie haben wir auch im vorliegenden Buch vor Augen. Sie ist uns sympathisch und wir wollen nicht, dass ihr Böses geschieht. Und doch wünschen wir uns ein kleines bischen Spannung und Aufregung und so lesen wir mit sanfter Lust, was Marie unglückliches wiederfährt. Und das ist so einiges, wie wir in Iny Lorentz 6. Teil ihrer Serie erfahren. Deshalb macht die Lektüre großen Spaß und verspricht beste Unterhaltung. Auch wir fühlen uns an die Vergangenheit erinnert und wie gut sich Teil 1 bis 5 gelesen haben und haben auch Lorentz neuen Roman sehr genossen. Daher unser Tipp für alle Fans der Wanderhure.


Die Entfuehrung Moira Young – Dustlands Bd.1 Die EntführungFantasy-Romane haben zwei Möglichkeiten, wie es ihnen gelingen kann, auf den Leser Eindruck zu schinden. Die eine, häufig gewählte Variante liegt in der Welt, die man zu erschaffen bereit ist. Diese muss Geschöpfe und Orte bereithalten, die uns faszinieren und bei denen wir zu phantasieren beginnen. Die besten Beispiele dafür sind ganz sicher die Harry Potter Bücher oder auch die Herr der Ringe Trilogie mit all ihren Hobbits, Orks und Ents. Moira Young hat bei ihrem Debütroman „Dustlands – Die Entführung“ zwar auch auf Geschöpfe gesetzt, die wir in dieser Art noch nicht unbedingt gesehen haben, vielmehr jedoch ist es die beeindruckenden Geschichte und damit die zweite Variante, die nachhaltig Wirkung auslöst.

Hatte sich die Autorin in früheren Tagen noch als Opernsängerin und Schauspielerin versucht, weiß sie in der Dustlands-Saga dieses Unterhaltungsfeeling perfekt herüberzubringen. Ohne Frage kann man sich in die Geschichte der 18-jährigen Saba hineinversetzen und sich die ganze Szenerie auch als ein zukünftiges Leinwandspektakel vorstellen. Saba ist Teil einer Welt, die Jahre nach uns existent ist. Als ihr Zwillingsbruder aus der Heimat Silverlake entführt wird, beginnt ihr Pilgerweg ins entfernte Land. Ihre Reise bürgt viele Gefahren, wobei sie zu keiner Zeit sicher sein kann, wer auf ihrer oder der entgegengelegenen Seite steht. Welche Position nimmt der herrschsüchtige Tyrann in dieser Geschichte ein, welche der mysteriöse Liebhaber und die kampfgewandten Rebellinnen? Die Antworten darauf kann Saba letztlich nur in der Arena von Hopetown finden.


Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand Jonas Jonasson – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwandWas jedem Einzelnen von uns wiederfährt, wenn wir einmal in einem Alter sind, in dem uns eine dreistellige Zahl diejenige Jahresanzahl offenbart, die wir schon auf der Erde verweilen, können wir nur spekulieren. Falls wir sie überhaupt erreichen und damit zu einer spärlichen Gruppe an Menschen gehören, werden wir vermutlich auf ein langes, ein ereignisreiches Leben zurückblicken können. Wir werden behutsam und in Ruhe unsere letzten Tage und Jahre verleben. Für Allan Karlsson gilt das nicht, denn er ist „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Den Startschuss für ein ereignisreiches Abenteuer gibt Autor Jonas Jonasson dem Leser vorab mit auf den Weg. Wo sich Herr Karlsson, der wie aus heiterem Himmel verschwunden scheint, in der Folge befindet, darüber lässt er uns hingegen im Unklaren. Zunächst sucht man ihn im Kreis seiner Heimat, später treten Bürgermeister und Presse auf den Plan, am Ende ist es eigentlich ganz Schweden. Herr Karlsson selbst stürzt von einem Zufall in den nächsten, aus Unkenntnis nimmt er sogar Verbrechergeld mit auf seine Reise. Wo ihn diese hinführt, bleibt lange verborgen und genau hier liegt die Spannung des Werkes, welches Herr Karlsson durch immer wieder neu auftretende Wendungen lange vor dem Leser und all jenen, die sich auf seine Spur begeben, versteckt hält.


33334608z 188x300 Charlotte Link – Der BeobachterIn jungen Jahren fing Charlotte Link bereits an zu schreiben. Mit 16 Jahren um genau zu sein. Da nämlich veröffentlichte sie ihren ersten Roman: “Die schöne Helena”. Als Tochter der deutschen Autorin Almuth Link sagt man Charlotte eine englische Erzählweise nach und so mischen sich in ihre Bücher gute englische Thrillerelemente. Auch in ihrem neuen Roman “Der Beobachter” geht es fesselnd und abgründig zu. Diesmal jedoch richten sich Link fast direkt an ihre weibliche Leserschaft, denn diesmal geht es um einen Stalker. Oder Beobachter, wie ihn Link nennt. Gillian Ward ist das Objekt seiner Begierde und bei ihm ist Neugier im besten Wortsinn gierig.  Deshalb bohrt er sich tief in den Alltag seiner Angebeteten und idealisiert sie zum Inbegriff der perfekten Frau: schön, erfolgreich und Mutter einer Tochter. Doch sein Idealbild zeigt langsam starke Risse und es ist scheinbar nichts so wie es scheint. Vor dem Beobachter tut sich ein tiefer Abgrund des Grauens auf und Charlotte Link zieht ihre Leserinnen mit hinein. Spannend von der ersten Seite an, erfahren wir die Beweggründe des Beboachters und die Folgen aus seinem Stalken. Wir wünschen uns als Frau, dass uns das niemals passieren mag und fiebern doch manchmal mit ihm mit. Dass er nicht entdeckt werde. Wie diese Perle der unterhaltsamen Literatur, denn haben wir “Der Beobachter” von Charlotte Link einmal durchgelesen, will den Roman sicher jede unserer Freundinnen auch lesen.

Unser Tipp für spannende Lese-Nächte!


Angst Robert Harris   AngstRobert Harris inszeniert in seinem neuesten Thriller „Angst“ ein Szenario, das aktueller und eindringlicher kaum sein könnte. Sein Protagonist Alex Hoffmann ist ein begnadeter Wissenschaftler und Mathematiker und bekommt das Angebot, seine jahrelangen Forschungen in Bereich der Finanzmärkte einzusetzen. Hier erschafft er einen intelligenten Algorithmus, der in der Lage ist, eigenständig Aktien zu kaufen und zu verkaufen, Analysen aufgrund von jahrelangen Datenreihen durchzuführen und somit das Verhalten von Anlegern und Konkurrenz vorherzusagen. Sogar Terroranschläge scheint das lernfähige Programm voraussagen zu können und so erzielt der Algorithmus in kürzester Zeit Milliardengewinne. Klar, dass so eine Errungenschaft nicht lange unentdeckt bleibt und so wundert es nicht, das nach kurzer Zeit in Hoffmanns Haus eingebrochen, alle Unterlagen geklaut und er selbst brutal zusammengeschlagen wird. So gerät Hoffmann immer tiefer in einen kriminellen Sumpf aus Lügen, Gier und Intrigen und erkennt mit der Zeit, welche große Bedrohung tatsächlich vom technischen Fortschritt auszugehen droht.

Robert Harris schafft es in „Angst“ komplizierte und unverständliche Begrifflichkeiten in einen klaren und nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen und somit den Leser nicht vor den Kopf zu stoßen. Schließlich führen seine dichte Erzählweise und die verschiedenen Handlungsebenen dazu, dass man erst ganz am Ende des Romans hinter des Rätsels Lösung und die Wahrheit, der „Angst“ zugrunde liegt erkennt.


Wie ausgewechselt Rudi Assauer   Wie ausgewechseltAlzheimer – Diese Diagnose erscheint für viele wie ein unwirkliches Trugbild. Erinnerungen verblassen, das Denken und die Wahrnehmung fallen zunehmend schwerer und schließlich erlischt die eigene Persönlichkeit, während der Körper zurückbleibt. Rudi Assauer, gefeierte Fußball-Ikone, ehemaliger Manager des Schalke 04 und Werbestar hat dieses Schicksal ereilt. In seiner noch klaren Zeit versucht der einst so temperamentvolle und ehrgeizige Mann mit der Zigarre, seinen Mitmenschen ein Bild seiner aktuellen Welt zu zeigen und hat aus diesem Grund das Buch „Wie ausgewechselt“ geschrieben.

Das Werk, welches in Zusammenarbeit mit Patrick Strasser entstanden ist, beschreibt Assauers Umgang mit der unheilbaren Krankheit, wie sie sich und seine Umwelt verändert hat und welchen Ausblick er, angesichts dieses Schicksalsschlags auf die Zukunft wirft. Denn obwohl eine Alzheimer-Diagnose schon schlimm genug ist, bereitet der Druck der Öffentlichkeit und das Interesse an seiner Person weiteres Leiden. Rudi Assauer unternimmt in seinem Werk den Versuch, den Angehörigen von Alzheimer-Patienten Hoffnung zu geben, dass diese Diagnose kein Todesurteil ist und dass man trotz des fortschreitenden Verlaufs immer noch in der Lage, Freude zu empfangen und zu schenken. So bleibt der Wunsch, dass das Schreiben des Buches Rudi Assauer geholfen hat, sich mit der Krankheit zu organisieren und den Rest seiner Zeit in möglichst klarem Sein zu verbringen.


Schattenstill Tana French   Die Meisterin des KrimisTana French ist aktuell einer der gefragtesten Bestseller-Autorinnen, die das Krimi-Genre zu bieten hat. Die gebürtige US-Amerikanerin ist bekannt für ihre Fähigkeit, Menschen mit ihren Worten zu berühren und eine sehr dichte Erzählstruktur in ihren Geschichten zu konstruieren. Diese spielen durchweg in der Nähe ihrer irischen Wahlheimat Dublin und profitieren sicherlich auch von der schauspielerischen Ausbildung, die French vor ihrer Autorentätigkeit genossen hat. So wurde ihr Roman „Grabesgrün“ in welchem sich das Ermittlerduo Rob Ryan und Cassie Maddox um die Aufklärung von seltsamen Ritualmorden kümmert, nicht nur zu einem weltweiten Bestseller, sondern brachten der Autorin auch einen Edgar Allan Poe Award ein.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich French erneut ans Schreiben machte und kurz aufeinander folgend ihre Romane „Sterbenskalt“ und „Totengleich“ fertig stellte. Während es bei „Sterbenskalt“ um die Rückkehr eines Ermittlers aufgrund einer Mordserie in seine perspektivlose Heimat geht, welcher er vor Jahren entkommen wollte, dreht sich „Totengleich“ wieder um Cassie Maddox, die in ihrem neuesten Fall auf ein Mordopfer trifft, welches ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. In beiden Bücher beleuchtet Tana French die Abgründe der menschlichen Seele und schafft es dabei immer wieder, mysteriöse Elemente einfließen zu lassen ohne dabei zu sehr ins Reich der Fantasie abzudriften.

Ihr aktuellstes Werk heißt „Schattenstill“ und spielt in dem runtergekommenen Städtchen Broken Harbour. Hier wird eine Familie in ihrem Haus tot aufgefunden, während seltsame Löcher in den Wänden der Polizei und den Ermittlern Rätsel aufgeben. Zur Aufklärung des Falls wird Mike Kennedy, ein erfahrener Detektiv, eingeschaltet, welcher bei der Lösung der Mordserie helfen soll und dabei auf noch größere und düstere Geheimnisse des verschlafenen Dorfes stößt.


Der Anschlag Stephen King   Der AnschlagStephen King, der Altmeister der Horror-Genres meldet sich mit einem neuen potenziellen Bestseller zurück und beweist einmal mehr wie vielschichtig sein Talent in Bezug auf die unterschiedlichsten Thematiken und Erzählstile ist. Sein neues Werk trägt den Namen „Der Anschlag“ und thematisiert sie Möglichkeiten der Zeitreise und ihre Auswirkung auf die Kriminalität. Doch was würde man tun, wenn einem die Möglichkeit gegeben wird, in die Vergangenheit zu reisen? Wäre es der Besuch von wichtigen historischen Ereignissen oder die Nachforschung nach den eigenen Wurzeln? In Stephen Kings Roman reist der Protagonist Jake Epping zu einem der schicksalhaftesten Tage der US-amerikanischen Nachkriegsgeschichte, nämlich ins Jahr 1958, um das 5 Jahre später geschehende Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern und so den Verlauf der Geschichte entscheidend zu verändern.

Besonders die Frage, ob es dem Menschen zusteht die Geschichte zu verändern ist ein immer wieder auftauchendes Motiv, das in Romanen dieser Art auftritt, denn oft sind die Folgen des Handelns sehr weiträumig und absolut unvorhersehbar. Auch Jake gerät immer wieder mit dieser Frage in Kontakt und Konflikt. Schließlich ist Jake kein Spezialagent sondern ein ganz normaler Bürger, der mehr oder weniger unfreiwillig durch ein Portal in die Vergangenheit geschickt wird. In der Vergangenheit trifft er aber nicht nur auf den späteren Attentäter Lee Harvey Oswald, sondern auch auf die Bibliothekarin Sadie, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Seine Mission stellt Jake dabei immer häufiger in Frage und schließlich scheint sich sogar die Zeit selbst gegen den Plan zu stellen, die Vergangenheit zu verändern.