Das haus der krokodile Helmut Ballot – Das Haus der Krokodile Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich ein wenig skeptisch war, was den Erfolg eines Kinofilms angeht, den man als Thriller für Kids bezeichnen kann. Interessanterweise hat „Das Haus der Krokodile“ in seiner ersten Kinowoche richtig viele Besucher in die Kinosäle gezogen, wohl auch, weil die Story viel zu bieten hat, was Gruselfaktor hervorbringt – ein altes Haus, ein mysteriöses Tagebuch und einen kleinen Jungen, der sich auf die Spuren eines ungeklärten Verbrechens begibt. Dies ist selbstverständlich in einen kindergerechten Rahmen verpackt, doch auch der eine oder andere Erwachsene könnte sich ein wenig fürchten. Basierend auf der Grundlage von Helmut Ballot wird „Das Haus der Krokodile“ so zum atemberaubenden Abenteuer für die ganze Familie.

Als der elfjährige Viktor in einem der alten Räume seines Wohnhauses ein ausgestopftes Krokodil findet, ahnt er noch nicht, in welch spannende Angelegenheit er damit hereinrutscht. Da die Eltern sich für ein paar Tage auf Geschäftsreise befinden, ist Viktor allein mit seinen älteren Schwestern zuhause und bekommt so viel Möglichkeit, dem eigenartigen Fund nachzugehen. In einem Tagebuch der verstorbenen Großkusine Cäcilie, die einst auf ungeklärte Weise ums Leben kam, findet er Hinweise, auf deren Spuren er zum Detektiv wird. Zur Klärung des Falles tragen auch der zwielichtige Nachbar Strichninsky, Frau Diebisch und ihr Sohn Friedrich bei und das, obwohl nicht ganz klar ist, welche Rolle sie in dem Fall spielen und was genau sie bezwecken wollen.


Ziemlich beste Freunde Philippe Pozzo di Borgo – Ziemlich beste FreundeMenschen machen Fehler, jeder irgendwann irgendeinen, der entweder mehr oder weniger schwerwiegend ist. Die Aufgabe einer intakten Gesellschaft liegt darin, ihn dafür nach unseren Gesetzen und Normvorstellungen zu bestrafen und Reuenden danach die Chance zu geben, sich wieder richtig einzugliedern. Abdel saß im Knast und hat seine Strafe verbüßt, er bleibt aber zunächst arbeitslos, auch weil ihn die Gesellschaft meidet. Mit einem eher ungewöhnlichen Arbeitsangebot bekommt er seine zweite Chance und nutzt diese mit Bravour, indem er dem querschnittsgelähmten Philippe die Lust am Leben zurückschenkt und so Teil eines der erfolgreichsten französischen Filme aller Zeiten wurde – „Ziemlich beste Freunde“.

Sicherlich ist der Kinostreifen, der Millionen in die Säle lockte, vorrangig wegen dem bewegenden Schicksal des einst so erfolgreichen Geschäftsführers Philippe Pozzo di Borgo, der nach einem Gleitschirmunfall einen Intensivpfleger benötigt. Die Geschichte zeigt aber auch, dass verurteilte Straftäter ebenso das Herz am rechten Fleck haben können wie alle bisher Straffreien. Abdel scheint zunächst mitleidlos und unbeholfen, letzteres bleibt er die ganze Geschichte durch. Er ist aber auch mit seiner lockeren und authentischen Art dafür verantwortlich, dass der 42-Jährige Invalide wieder glücklich durch den Tag gehen kann. Über zehn Jahre hat er ihn täglich begleitet, die dramatischsten Momente sind im Werk, einer beeindruckenden Lebensgeschichte zweier Männer, festgehalten.


Headhunter2 Jo Nesbø – HeadhunterEs muss in den Genen liegen, dass manche Menschen vor anderen und mit anderen reden können als hätten sie vor der Reaktion der Angesprochenen rein gar nichts zu befürchten. Andere wiederum, dazu gehören wohl die meisten Leute, haben dabei schon mehr Schwierigkeiten und können sich aus Furcht vor der Antwort, die sie bekommen, nicht komplett so öffnen wie sie es wünschen. Der Klassiker, um sich zu beweisen, sind Bewerbungsgespräche, bei denen Arbeitgeber sofort von den potenziellen Arbeitnehmern überzeugt sein müssen. Diese jedoch gehören im 21.Jahrhundert mehr und mehr der Vergangenheit an. Große Unternehmen nutzen bei der Einstellung von Führungspositionen das Handwerk von einem „Headhunter“, welcher im Regelfall als Personalvermittler arbeitet. Bei Jo Nesbø hat er aber noch ein anderes Betätigungsfeld.

Der norwegische Thrillerautor hat in seinen Akteur Roger Brown nämlich gleich noch einen talentierten Kunstdieb eingepflanzt. Bei Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche genießt er ein hohes Ansehen, fast jeder Boss tanzt nach seiner Pfeife. Vermittelt er einem Klienten dann eine gute Verbindung, raubt er ihm diverse Kunstgegenstände. Sein neuster Coup könnte in doppeltem Sinne der Niederländer Greve sein. Dieser passt perfekt in die Geschäftsführung einer Firma, der Rubens bei ihm zuhause perfekt in die Sammlung Browns. Leider nur geht dieses Mal etwas schief und Brown bekommt erstmalig einen Gegner, der ihm das Wasser reichen kann.


Gehwegschäden Helmut Kuhn – GehwegschädenGeschichte ist etwas, das wir uns ewig erhalten sollten. Niemals sollte man vergessen, wo man herkommt, was man in der Vergangenheit getan oder nicht getan hat. In der Geschichte eines jeden Landes finden sich positive Ereignisse und welche, von denen man später lieber Abstand nimmt. Das Entscheidende aber ist, nichts von dem zu leugnen und sich stattdessen daran zu erinnern, was einmal war. Dem entgegen steht unsere gesellschaftliche Wandlung, die durch ihr rasantes Tempo dafür sorgt, dass wir viele Dinge schnell vergessen, eben weil sich alles so schnell wandelt. Helmut Kuhn erinnert in „Gehwegschäden“ daran, was einmal war und wie schnell sich heute alle verändert, wobei er klar werden lässt, dass es sich bei seinem Blick darauf nicht unbedingt um etwas Positives handelt.

In Tarnung seines Hauptprotagonisten, dem arbeitslosen Journalisten Thomas Frantz, zieht Kuhn durch die Hauptstadt und blickt in viele Gassen und Ecken. Er berichtet über einen von Briten errichteten Wellnesstempel, der früher einmal SED-Zentrale war, davor übrigens Rückzugsort der Hitlerjugend und, wenn man noch weiter zurückgehen möchte, sogar Kaufhaus jüdischer Geschäftsleute. Er schreibt auch über den Verfall unserer Jugend, letztlich exakt über das, was er bei seinen Touren durch die Stadt zu sehen bekommt. Dieser Gesellschaftsabsage könnte Doktorandin Sandra, die auf einmal in sein Leben tritt, ein Ende bereiten dafür jedoch bedarf es mehr als nur ein zauberhaftes Lächeln.


Der Augenjäger1 Sebastian Fitzek – Der AugenjägerSchon in den frühen Schuljahren werden wir damit konfrontiert, dass die Menschen sich in der Urzeit in zwei Gruppen teilten. Es gab Jäger und Sammler. Jene, die ein Mammut erlegt haben und jene, die im Wald nach Beeren suchten. Häufig waren diese zwei Rollen auch gleich noch den zwei Geschlechtern zugeordnet. Dass diese Einstufung in unserer heutigen Zeit wohl nicht mehr zu einhundert Prozent haltbar ist, sollte jedem klar. Spätestens nach dem Welterfolg „Der Augenjäger“ von Sebastian Fitzek muss es das sein. Denn hier ist ein Psychopath am Werk, der weder ausschließlich sammelt noch jagt. Er tut beides und versetzt seine Opfer und ihre Angehörigen damit in Angst und Schrecken.

Betrachtet man Augenspezialist Dr. Suker und müsste man sich entscheiden, würde man ihn wohl eher zu den Sammlern zählen. Wie ein Jäger sieht er nun wirklich nicht aus, zumindest tagsüber nicht. Dort zählt er zu den Experten auf seinem Gebiet, wirkt freundlich und genial. Wird es draußen aber dunkel, kommt er seiner wirklichen Leidenschaft nach. Bevor er Frauen vergewaltigt, entfernt er ihnen die Augenlider. In der Regel überstehen die Geschändeten diese Operation nicht, viele von ihnen begehen kurz danach Selbstmord. Vielleicht kann die blinde Physiotherapeutin Alina der Polizei ja endlich dabei helfen, dem sammelnden Jäger ein Ende zu setzen.


Lackschaden Susanne Fröhlich – LackschadenWas erwartet eine Frau in den Wechseljahren oder vielmehr, was soll sie vom Leben erwarten? Ist es eine glückliche Familie mit Kindern, ein Reihenhaus in schöner Wohngegend oder ein Job, der einem Spaß macht? Ist es vielleicht die Eigenschaft, zehn Jahre jünger auszusehen und über eine Vitalität zu verfügen, mit welcher andere nicht mehr mithalten können? Definitiv können alle Dinge gut sein, doch jede Frau muss das für sich selbst wissen. Wichtig ist nur, dass es ihr nicht ergeht wie Andrea Schnidt, der Hauptprotagonistin in „Lackschaden“. Zwar führt sie ein finanziell abgesichertes Leben in einer über weite Strecken noch intakten Familie – so wirklich glücklich ist sie aber nicht.

Schaut man genau hin beziehungsweise liest man genau nach, erkennt man das Leben einer Frau, deren Mann lieber Stunden auf dem Golfplatz verbringt als sich mit ihr zu unterhalten. An ihre Kinder kommt sie kaum noch heran und so scheint ihre Existenz nur wichtig, um Putzfrau, Fahrdienst, Köchin und Trostspender zu sein. Irgendwann gelangt sie an den Punkt, an dem sie die Erkenntnis packt, dass das nicht alles sei, was das Leben ausmacht. Ebenso wenig ist es ein Nebenjob, der zwar ein wenig Geld reinspült, aber auch nicht wirklich Erfüllung bringt. Brillant geschrieben schickt Autorin Susanne Fröhlich eine Frau, die schon einiges gesehen hat, auf die Suche nach neuem Glück in ihrem Leben.


Nicht jeder mag ihren Namen kennen, aber besonders einer ihrer Erfolgsromane ist weltberühmt und unvergessen. Obwohl bereits jeder um die Geschichte wusste, und die Verkaufszahlen des Buches ließen keinen anderen Zweifel zu, war die gleichnamige Hollywood-Adaption trotzdem ein grandioser Erfolg und Oscar-Preisträgerin Hilary Swank und Frauenschwarm Gerard Butler ein hinreißend anrührendes Paar vor der saftig-grünen Kulisse der Irischen Highlands. „P.S.  Ich liebe dich“ beförderte Cecelia Ahern mehr oder weniger über Nacht in eine Autorenkategorie, von der die Leser immer wieder derartig fantastische Geschichten erwarten würden.

Cecilia Ahern 197x300 „Solange du mich siehst“ von Cecelia Ahern

Ohne sich selbst zu kopieren, erbrachte sie in den letzten Jahren immer wieder den Beweis, dass ihre Kreativität längst nicht ausgeschöpft ist. Neben ihren lebensnahmen, doch trotzdem irgendwie magischen Erzählungen in Romanform gehen ihr gleichermaßen eindringliche Kurzgeschichten von der Hand. Zugegebenermaßen werden diese seltener in Buchform herausgegeben. Umso erfreulicher ist ihre jüngste Veröffentlichung, „Solange du mich siehst“, in der sie sich ihrem Publikum leicht verändert, doch ihren Motiven treu, in zwei ihrer Werke präsentiert. Von Ahern ist man gewohnt, dass sie außerordentliche, doch nachvollziehbare Gefühle in schöne Worte kleidet und mitunter ein wenig an der Philosophie kratzt, jedoch ohne unverständlich oder schwammig zu werden. Die besondere Note ist sehr wahrscheinlich die genaue Priese Magie, die sie nutzt, die weniger an ein Märchen als einen Traum erinnert.

In „Das Lächeln der Erinnerung“ experimentiert sie mit der Vorstellung, schlechte Erlebnisse aus unseren Köpfen löschen zu können und verblüfft dann, wie auch in der darauffolgenden Kurzgeschichte, „Das Mädchen im Spiegel“, mit einem überraschenden Ende. Die bisher geschätzte beseelte Melancholie, die sich beim Lesen wie eine warme Decke über die Beine legte, wird gerade im zweiten Teil des Buches abgelöst. Ahern entführt, völlig untypisch für sie, in eine düstere Welt mit verhangenen Spiegeln und knarrenden Dielenböden und bedeckt die Beine, statt der Decke, mit einer Gänsehaut.  Mehr Inhalt sei an dieser Stelle noch nicht verraten!

Ihre angebotenen Lehren sind überaus schätzenswert, denn sie zeugen charmant und beabsichtigt von ihren jungen, nie allwissenden 30 Lebensjahren. Es bleibt also noch etwas Zeit für viele neue Bestseller-Romane. Ihr neues Buch ist eine dankbare Überbrückung für jeden Fan und alle, die es werden wollen.


34388840n Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt   Jörg BaberowskiEs gibt diverse Abhandlungen zur Psychologie des Diktators Josef Stalin, doch diese waren bisher zumeist wage, da sie aus subjektiven Eindrücken von Augenzeugen zusammengetragen und danach analysiert wurden. Professor Doktor Jörg Baberowski nähert sich dem Wesen des augenscheinlichen Despoten akribisch und studierte dafür die einzelnen Etappen seines öffentlichen Wirkens, die er in Moskauer Archiven recherchierte und sie der Welt an dieser Stelle erstmals präsentiert. Der Historiker der Berliner Humboldtuniversität formulierte das Anliegen seiner Studie in den Fragestellungen „Woher kam die Gewalt, mit der die Machthaber die Gesellschaften des sowjetischen Vielvölkerimperiums überzogen? Und welche Verheerungen richtete sie an?“ und ermittelte Stalin als treibende Kraft.

Radikal und verstörend erläutert Baberowski in seinem Sachbuch „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“ die Rolle und Wirkung des gebürtigen Georgen auf Staatsapparat, Militär und die Einwohner der ehemaligen Sowjetunion. Nicht allein ideologische Beweggründe waren unter seiner Herrschaft die Ursache für quälende Hungersnöte, brutale Strafgefangenenlager und unmenschliche Säuberungen im Rahmen des bolschewistischen Projekts: Es war eine perverse Freude am Leid Anderer eines gewaltverliebten Psychopathen. Innerhalb der Zivilbevölkerung, aber auch innerparteilich, schuf Stalin ein Klima aus Paranoia und Verrat bestehend. Allein der unrealistische Verdacht besiegelte das Todesurteil von millionen Bürgern und zig Machthabern des inneren Zirkels seiner Politik. Seine Lust zur Manipulation führte ihn an die totalitäre Spitze der Partei, die er rigoros von vermeintlichen Verrätern und Spionen bereinigte. Ziel seines Strebens war, nach Meinung des Historikers, ein neuer Mensch mit dominanten psychologischen Merkmalen wie „Todesverachtung, Zähigkeit, Gewandtheit, Kraft und Ausdauer“. Stalin war selbst eine familiäre Verbundenheit fremd. Er zeigte sich zwar betroffen vom Tod seiner ersten Frau, kümmerte sich aber im Anschluss nicht um seinen Sohn, Jakow, den er den Deutschen als Kriegsgefangenen überließ und einem Handel mit den Worten gefühlskalt widersprach: „Man tauscht einen Soldaten nicht gegen einen General.“

Bereits in seinem früheren Buch, „Der Rote Terror“, ergänzte Baberowski die allgemeine Deutung des Stalinismus und trägt mit seinem neuen Werk zu einem tieferen Verständnis des teilweise heute in Russland immer noch glorifizierten Stalins bei. Prof. Dr. Baranowksi, nominiert für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse, schreibt über Josef Stalin, zweimalig nominiert für den Friedensnobelpreis.