das abc meines lebens Marlene Dietrich – Das ABC meines LebensAm übernächsten Sonntag jährt sich zum 20.Mal der Todestag eines der berühmtesten Exportschlagers unserer Historie. Während heute Stars wie Heidi Klum als das deutsche Aushängeschild im Ausland gefeiert werden, war es in früheren Jahrzehnten vor allem der Name Marlene Dietrich, der Deutschland ein wenig Glanz verlieh.  Die Schauspielerin und Sängerin aus dem Herzen der heutigen Landeshauptstadt überzeugte durch ihr ganz besonderes Charisma und eine Art, die auch mal anzuecken wusste. Gerade diese aber machte Marlene Dietrich bekannt und sorgte für ihren grandiosen Erfolg. Heute noch ist sie ein Vorbild vieler emanzipierter Frauen. Der von ihr zur Mode gemachte Hosenanzug ist ebenso ein Zeugnis ihrer Person wie zahlreiche Anekdoten, die in „Das ABC meines Lebens“ festgehalten wurden.

Zwar hat der Deutsche Taschenbuch Verlag mit diesem Schriftstück keine zusammengetragene Biografie vorgelegt, aufgrund der zahlreichen Gedankensplitter ermöglicht es aber eine noch viel bessere Übersicht über den kompletten Charakters der deutsch-amerikanischen Stilikone. Neben Aphorismen und recht brauchbaren Lebensweisheiten spricht Marlene Dietrich vor allem auch über Dinge, die uns noch heute so alltäglich erscheinen. So erfährt der Leser beispielweise ihre Ansichten zu Lebensmitteln wie Ketchup, aber auch metaphysische Komponenten wie Aberglauben. Gefühlvoll zusammengestellt und mit einer ordentlichen Mischung aus Humor und Persönlichkeit versehen wird das Werk zu einem abwechslungsreichen Lesevergnügen.


Herzstoß 186x300 Joy Fielding – HerzstoßPsychothriller leben davon, dass sich während ihres Geschehens immer tiefere Abgründe auftun, in welche die beteiligten Protagonisten nach und nach hineingezogen werden. Ein weiterer Aspekt, den Joy Fielding in ihrem neuen Werk „Herzstoß“ anspricht, ist der lebenswichtige Rückhalt, den wir bei ganz besonders harten Schicksalsschlägen benötigen. Fällt dieser weg, unsere letzte Stütze, sind wir noch viel gefährdeter dafür, um in einem Sumpf aus Intrigen, den Wald nicht mehr vor Bäumen zu sehen. Ist der Grad erst einmal erreicht, an welchem wir uns Dinge zusammenspinnen, sind wir letztlich auch nicht mehr weit davon entfernt Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen.

Zugegeben, die Kanadierin Marcy Taggart hat derzeit wirklich nicht ihre beste Lebensphase. Knapp zwei Jahre ist es her, dass ihre Tochter Devon auf mysteriöse Weise ertrunken sein soll. Eigentlich gibt es daran keinen Zweifel, allerdings wurde die Leiche nie gefrunden. Marcy versucht sich an den letzten Strohhalm zu klammern und glaubt weiter fest daran, dass ihre Tochter am Leben ist. Ihr Mann Peter steht ihr hierbei zur Seite. Als dieser sie jedoch verlässt, scheint auch der letzte Halt weggebrochen. Marcy beschließt trotzdem, die gemeinsam geplante Reise nach Irland wahrzunehmen und so ein wenig Abstand zu gewinnen. Dort aber scheint sie die Vergangenheit einzuholen. So sieht sie in einem Pub die Silhouette ihrer Tochter Devon. Fest davon überzeugt begibt sich Marcy auf die Suche nach ihr und damit in eine Welt, in der nicht mehr zu erkennen ist, was real und was fiktiv ist.


replay Benjamin Stein – ReplayDass der technische Fortschritt weiterhin unaufhaltsam seine Kreise zieht und einen immer größeren Teil unseres alltäglichen Lebens darstellt, ist längst kein Geheimnis mehr. Wer dies leugnet, lügt sich in einer Welt, die nur noch auf ihre Smartphones schaut, um zu erfahren, was im Leben des mehr als eintausend Kilometer entfernten Freundes so passiert, selbst in die Tasche. „Replay“ von Benjamin Stein geht noch einen Schritt weiter und übertrumpft mit einer neuen Technologie, die sein Hauptakteur Ed Rosen mitentwickelt hat, sogar noch die Fähigkeiten aller Smartphones, die wir bisher zu sehen bekommen haben.

Beängstigend ist das schon ein wenig, was Stein uns hier erzählen möchte, längst aber nicht mehr weit von unserer heutigen globalen Zivilisation entfernt. Alles beginnt damit, dass Rosen aufwacht und am Bettende einen Huf anblickt, der so gar nicht seinem Fuß ähnelt. Rosen ist Mitentwickler des Kommunikationswunders UniCom, welches nicht nur die Fotos oder aktuellen Termine des Besitzenden, sondern auch seine Sinneswahrnehmungen speichern kann. Zudem ist es dadurch möglich, die Realität unendlich oft zu wiederholen, sie sogar zu verändern, was den Besitzenden letztlich zum Besitz macht. Rosens Firma verzeichnet riesigen Umsatz mit dem Gerät und spielt mit den Medien Macht und Kontrolle. Klar, dass das Neider hervorbringt und einige Stimmen gegen diese Zukunft lauter werden, was vielleicht dann auch den Huf in Rosens Bett erklären könnte.


hb meine schwester ist ein mönchsrobbe Christian Frascella – Meine Schwester ist eine MönchsrobbeDer Schlüssel dafür, ein wirklich gut anzukommendes Werk zu publizieren, liegt darin, etwas zu verfassen, womit sich die Leser identifizieren können. Der Ich-Erzähler, welcher vom Autor wohl nicht ganz so entfernt anzusiedeln ist, füllt in „Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe“ genau diesen Part aus und das, obwohl er über weite Strecken der gut 300 Seiten wie ein echter Kotzbrocken herüberkommt. Er scheint unsympathisch, wirkt verbittert, unnahbar und ist dennoch so gewöhnlich wie er nur sein könnte. Vielleicht liegt genau darin der Erfolg von Schriftsteller Christian Frascella, dessen Werk nun auch ins Deutsche übersetzt wurde.

Das Leben des Protagonisten scheint komplett aus allen Fugen geraten. Seine Mutter ist mit einem Mann durchgebrannt, der mehr als eine Dekade jünger ist als sie. Der Vater benutzt gerne mal einen Fausthieb als Erziehungsmaßnahme und seine Schwester scheint von einem krankhaften Putzfimmel durchzogen. Er selbst ist der Typ Loser, der es nicht zugeben und stattdessen alles überspielen mag. Er riskiert des Öfteren eine große Lippe, liegt aber als erster am Boden. Selbst von seiner Angebeteten bekommt er nichts als eine ordentliche Tracht Prügel. So schlecht seine Lage auch ist, gibt es nichts, was seine Überzeugung ins Wanken bringt. Dafür sorgt erst ein herber Schicksalsschlag, der ihn aus der Bahn wirft, aber letztlich die Familie näher zusammenschweißt und auch den Schwarm mehr an ihn heranbringt.


Unter Haien 189x300 Unter Haien   Nele Neuhaus Aus dem Nichts war da plötzlich das Erstlingswerk einer jungen Autorin, die ihren Roman „Unter Haien“ anfangs noch selbst verlegte. Diese geringe Auflage konnte die sagenhafte Nachfrage natürlich nicht in Gänze abdecken. Der stetige Vergleich mit einem etablierten und hochkarätigen Autor wie John Grisham muss auch Nele Neuhaus irgendwann glaubhaft versichert haben, dass sie verdammt gut ist. In der Tat ist es ihr meisterhaft gelungen, Intrigen zu spinnen und eine bedrohliche Atmosphäre zu kreieren, bei der die Seiten beim Lesen nur so dahin fliegen.

Die Deutsche Alex Sontheim ist eine der angesehensten Investmentbankerinnen New Yorks. Doch auf der Suche nach Selbstverwirklichung ist ihr kein Erfolg groß genug. Möglichst viele Kontakte waren von jeher ein bequemes Mittel, die Karriereleiter weiter nach oben zu klettern. Auch Sergio Vitali, einer der einflussreichsten Männer der Stadt, könnte eine dieser wertvollen Bekanntschaften sein. Entgegen aller Warnungen taucht sie ein in seine Welt aus schnellem Geld und zwielichtiger Macht. Ihr Kollege, St. John, nutzt derweil ihr Wissen für Insidergeschäfte, doch ihn zu stellen, ist kein leichtes Unterfangen. Sie selbst hat sich bis hierher bereits viel zu sehr verstrickt, als dass sie sich alleine aus diesem Dickicht befreien könnte. Jeder ist ein potenzieller Feind und Vertrauen ein Luxus, den sie sich nicht leisten kann.

Fein gezeichnete Charaktere, zahlreiche Überraschungen und eine korrupte Szenerie sind die bemerkenswerten Zutaten für Nele Neuhaus Debutroman, der für Furore sorgte. Ein erstklassiger Krimi und eine würdige Einleitung in eine große Karriere.


Russendisko 188x300 Russendisko  Wladimir Kaminer Vor ungefähr zehn Jahren gelang Wladimir Kaminer mit seiner Erstveröffentlichung „Russendisko“ ein Überraschungserfolg und Gleiches darf man wohl auch von der aktuellen Leinwandadaption mit selben Titel von Oliver Ziegenbalg erwarten – wenn auch weniger überraschend. Zurzeit gibt es augenscheinlich keinen erfolgreicheren Schauspieler als Matthias Schweighöfer, der die Hauptrolle in dieser lange geplanten Verfilmung durchaus passend besetzt. Einige kritische Stimmen munkeln, dass der Kinofilm leider nicht den Charme und den Witz versprüht, den das Buch noch hatte. Die Filmvorlage war eine liebvolle und authentische Sammlung von Kurzgeschichten, die mehr oder weniger zusammenhängend, einen skurrilen, doch lebensnahen Einblick in Kaminers Subkultur hergaben. Mit derbem Humor und russischem Herzblut stellten sie sich einer neuen Welt fernab der Heimat und erlebten Liebe, Frust und Abenteuer.

Alles passiert im Sommer 1990, als Kaminer und seine zwei Freunde, Mischa und Andrej, bepackt mit vielen Träumen, doch wenig Rubel die junge deutsche Hauptstadt erobern. Anfänglich in einem heruntergekommenen Marzahner Ausländerwohnheim untergebracht suchen sich die drei bald eine schönere Bleibe im Prenzlauer Berg. Andrej ist eher der schwerfällige Charakter der drei Witzbolde. Ihn plagt das Heimweh, was ihn aber nicht davon abhält, eine Vielzahl von Plänen zu entwickeln, die zum schnellen Geld führen. Mischa träumt von einer Musikerkarriere. Nur Wladimir scheint perspektivlos und dümpelt durch wahnwitzige Episoden der Berliner Nachwendezeit. Überall warten Probleme und Ärger: Sei es der Streit mit Vietnamesen über die Rechte am örtlichen Zigarettenverkauf oder das Überschreiten der Aufenthaltsgenehmigung und eine drohende Abschiebung. Bei derart vielen Schwierigkeiten würden viele die Heimreise antreten, doch Kaminer verliebt sich in „die schönste Frau der Welt“ Olga und buhlt fortan überaus einfallsreich um ihre Aufmerksamkeit.

Ein liebevolles, autobiografisches Romandebut, das bis heute schon 1,3 Millionen Leser zählt und dank des aktuellen Kinoprogramms sicher noch viele weitere gewinnen wird.


Die Tribute von Panem 197x300 Die Tribute von Panem Teil 1 Tödliche Spiele von Suzanne Collins Schon jetzt hat der Film „Die Tribute von Panem“ alle Erwartungen gehalten, die das Buch noch versprach. Die Verfilmung des ersten Bandes „Tödliche Spiele“ ist einer von drei Teilen, deren weiteren zwei Premieren sicher wieder von unzähligen campierenden und kreischenden Teenagern belagert werden, die ein wenig an vergangene Tage mit „Harry Potter“ oder „Twilight“ erinnern. Buch und Film haben aber Fans aller Altersgruppen, da die jugendlichen Akteure alles andere als unbeschwerte Kindheitstage erleben.

Suzanne Collins zeichnet das Bild eines durch Kriege und Naturkatastrophen zerstörten Nordamerikas, deren Machthaber eine perfide Freude für menschenunwürdige Spiele empfinden. Alljährlich werden Wettkämpfe um Leben um Tod ausgerufen, deren Teilnahme nicht freiwillig erfolgt, sondern durch eine Auslosung entschieden wird. Um ihre kleine Schwester zu schützen, tritt die 16jährige Katniss an ihrer Stelle an und wird während eines Kampfes, entgegen der Regeln, von einem Kontrahenten namens Peeta gerettet. Beide verlieben sich ineinander und suchen nach Wegen auszubrechen, denn es kann ich jedem Fall nur einen Sieger geben.

Die frühere Drehbuchautorin interpretiert die römischen Gladiatorenkämpfe neu und grausamer. Collins verbindet tragisch die Aussicht auf einen möglichen Sieg mit dem gleichzeitigen Verlust der Liebe durch eigene Hand. Gleichzeitig versuchen die jungen Protagonisten, die bestehende Gesellschaftsform zu revolutionieren und gemeinsam gegen die Regierung zu kämpfen. Eine mitreißende Geschichte, deren Trilogie in 40 Ländern erschienen ist und sieben Millionen Mal verkauft wurde. Stephenie Meyer und Steven King zählen sich zur Fangemeinde und unzählige Preise beweisen positiv geneigte Kritikerstimmen. Ob man jetzt zuerst das Buch liest oder in den Film geht, sei jedem selbst überlassen, aber wer die Geschichte um Peeta und Katniss leibhaftig erfahren will, verlässt sich besser auf die eigene Fantasie und wählt die Variante des Lesens.


Fred Vargas 174x300 Die Nacht des Zorns von Fred VargasFred Vargas liebt das Spiel zwischen Krimi, Mythos, Echtzeit und Vergangenheit. Immer wieder spinnt sie schlaue Verknüpfungen und schickt ihren Ermittler „Jean-Baptiste Adamsberg“ über sagenhafte Schleichwege hin zum unabsehbaren Täter. Anders als bei vielen anderen Genreautoren weiß sie aber ihre Geschichten mit der gewissen Nuance Humor zu würzen, die sie prägnant unterscheidet.

In Ihrem neuen Buch „Die Nacht des Zorns“ entführt sie den Leser in das normannische Dorf Ordebec, in dem vier Morde geweissagt wurden. Gleich nachdem der erste passiert, erbittet die örtliche Gendarmerie die Unterstützung  Adamsbergs, um bei der Aufklärung zu helfen. Ein reicher Industrieller war in seinem Auto in Flammen aufgegangen und was anfangs einfach dem Konto eines bekannten Brandstifters zugewiesen wurde, verneint Adamsberg und vermutet einen anderen Täter. Sein eigentlicher Hauptverdächtiger besitzt regional zu viel Einfluss, als dass eine unkomplizierte Überführung möglich wäre. So sucht er anderenorts nach Hilfe und kämpft gleichzeitig gegen den vorherrschenden Aberglaube, dass dies die Tat eines mittelalterlichen Heeres war, das im 12. Jahrhundert  von all denjenigen Recht einforderte, die für ihre Schuld noch keine Strafe erfahren hatten. Im Nebel des Mythos findet er Hinweise, die sein Denken erschüttern.

„Wenn Vargas Musikerin wäre, wäre sie allein ein ganzes Orchester.”, schreibt die Zeitschrift ELLE und man darf den Redakteuren Recht geben. Mit einer guten Story, einer undurchsichtigen Täterschaft, erfrischenden Dialogen und allerfeinstem Sprachwitz sprengt Vargas die gewohnten Grenzen eines einzelnen Genres und offenbart ein abwechslungsreiches Leservergnügen. Wieder präsentiert sie einen spannenden Fall ihres Lieblingskommissars und überzeugt durch eine individuelle Federführung und ihrem selbstpersönlichem Charme, der jedes Wort besonders macht.