23332872n Die BücherdiebinWie stellt man sich eine Geschichte vor, die vom Tod erzählt wird? Blutrünstig, kalt und niederträchtig vielleicht? Markus Zusak sieht das ganz anders. In seinem Roman: „Die Bücherdiebin“ lässt er den Tod über sich selbst und seine Ansichten von den Menschen erzählen. Es ist kein Tod, vor dem man Angst haben muss. Kein Kapuze tragender, Sense schwingender von Mordlust gepeinigter Charakter, sondern ein mitfühlendes Wesen, dem die Menschen beileibe nicht egal sind. Besonders hat es ihm die kleine Liesel Memmiger angetan, ein Mädchen das in den Wirrungen von 1939 zum ersten auftritt und am Grab ihres kleinen Bruders steht. Hier gerät sie auch zum ersten Mal mit Büchern in Kontakt, indem sie das Handbuch für Totengräber entwendet. Die Bücherdiebin ist geboren und rettet fortan auch Bücher vor der Bücherverbrennung. Sie lebt in ihren Büchern, verschlingt sie und gewinnt so die Sympathie des Todes.

Der Autor lässt den Leser anhand von Liesel die Schrecken des Naziregimes noch einmal durchgehen, ohne dabei mit erhobenem Zeigefinger anzuprangern. Es ist eine ungewöhnliche und anrührende Geschichte, die zum Teil in einer Poetik geschrieben wird, die wunderschön ist, ohne dabei schwülstig zu wirken. Es ist naturgemäß eine traurige Geschichte, die den Holocaust thematisiert, aber auch den Wahnsinn und die Liebe dieser Zeit, von Menschen die bedingungslos folgen und solchen, die sich wehren und etwas ändern wollen. Schon zu Beginn des Buches ahnt man, wohin die Reise gehen soll und so wird man auf den letzten Seiten auch geplagt von überkochenden Emotionen. Hier eine Träne zu vergießen ist keine Schande.

Zudem ist es doch für alle Leser eine beruhigende Erkenntnis, dass der Tod die Menschen liebt, die lesen…


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