Fred Vargas 174x300 Die Nacht des Zorns von Fred VargasFred Vargas liebt das Spiel zwischen Krimi, Mythos, Echtzeit und Vergangenheit. Immer wieder spinnt sie schlaue Verknüpfungen und schickt ihren Ermittler „Jean-Baptiste Adamsberg“ über sagenhafte Schleichwege hin zum unabsehbaren Täter. Anders als bei vielen anderen Genreautoren weiß sie aber ihre Geschichten mit der gewissen Nuance Humor zu würzen, die sie prägnant unterscheidet.

In Ihrem neuen Buch „Die Nacht des Zorns“ entführt sie den Leser in das normannische Dorf Ordebec, in dem vier Morde geweissagt wurden. Gleich nachdem der erste passiert, erbittet die örtliche Gendarmerie die Unterstützung Adamsbergs, um bei der Aufklärung zu helfen. Ein reicher Industrieller war in seinem Auto in Flammen aufgegangen und was anfangs einfach dem Konto eines bekannten Brandstifters zugewiesen wurde, verneint Adamsberg und vermutet einen anderen Täter. Sein eigentlicher Hauptverdächtiger besitzt regional

zu viel Einfluss, als dass eine unkomplizierte Überführung möglich wäre.

So sucht er anderenorts nach Hilfe und kämpft gleichzeitig gegen den vorherrschenden Aberglaube, dass dies die Tat eines mittelalterlichen Heeres war, das im 12. Jahrhundert von all denjenigen Recht einforderte, die für ihre Schuld noch keine Strafe erfahren hatten. Im Nebel des Mythos findet er Hinweise, die sein Denken erschüttern.

„Wenn Vargas Musikerin wäre, wäre sie allein ein ganzes Orchester.”, schreibt die Zeitschrift ELLE und man darf den Redakteuren Recht geben. Mit einer guten Story, einer undurchsichtigen Täterschaft, erfrischenden Dialogen und allerfeinstem Sprachwitz sprengt Vargas die gewohnten Grenzen eines einzelnen Genres und offenbart ein abwechslungsreiches Leservergnügen. Wieder präsentiert sie einen spannenden Fall ihres Lieblingskommissars und überzeugt durch eine individuelle Federführung und ihrem selbstpersönlichem Charme, der jedes Wort besonders macht.


Kommentar schreiben