Tausend stahlende SonnenWenn wir Nachrichten schauen, oder in der Zeitung von Afghanistan lesen, dann meist nur in Zusammenhang mit Militäroffensiven, Selbstmordattentätern, oder der Suche nach Talibanmitgliedern. Aus sicherer Entfernung verfolgen wir ein Leben, das uns gänzlich unbekannt ist und zu dem wir im Grunde auch überhaupt keinen Zugang haben. Khaled Hosseini versucht das mit seinem neusten Buch „Tausend stahlende Sonnen“ zu ändern, indem er das Verhältnis der Geschlechter untereinander im Islam und seinen Auswüchsen deutlich schildert und zum zentralen Thema seines Buches macht. Es ist ein Leuchtfeuer in der hiesigen Wüste der Bildungsromane.

Im Mittelpunkt seiner Geschichte stehen Mariam und Leila, die beide mit Rashid zwangsverheiratet werden. Aus einer anfänglichen Skepsis und Rivalität entsteht jedoch im Laufe der Zeit eine tiefgehende Freundschaft, deren Zusammenhalt die beiden Frauen selbst widrigste Umstände überstehen lässt. Die geschickte Verknüpfung von historischen, politischen, oder biografischen Ereignissen lassen einen ganz neuen Blick auf das Leben in Afghanistan zu, dass uns so bisher verborgen, bzw. in diesem Ausmaß verwehrt wurde. Zwischen den Polen Flucht und Rückkehr, Erkenntnis und Geheimnis, Gemeinschaft und Einsamkeit, Liebe und Hass, Licht und Schatten, Sorgen und Versorgt werden, werden die Leserinnen und Leser immer wieder in neue Nuancen afghanischer Geschichte und tragischer Biographien geleitet. Die Widersprüchlichkeit eines afghanischen Mannes wird hier sehr deutlich, ohne dabei jedoch respektlos zu erscheinen. Dieses Buch ist zugleich erschütterndes Zeugnis, aber auch eine sentimentale Liebeserklärung an ein Land, das noch verstanden werden muss, bzw. sich selbst gerade zu verstehen lernt.


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