Emile Zola 150x150 Émile Zola   Das GeldDer französische Schriftsteller und Journalist Émile Zola gilt als Leitfigur der Strömung des Naturalismus. Nach dem Vorbild von Honoré de Balzac entwarf er einen 20-bändigen Romanzyklus unter dem Namen „Les Rougon-Macquart“. Hier beleuchtete er die gegensätzlichen Zweige einer Familie im zweiten Kaiserreich: die der Bourgeoisie (Rougon) und die der Unterschicht (Macquart). Zola stellte innerhalb seiner Romane, unabhängig voneinander, einzelne Familienmitglieder vor, die er in den zeitlichen und sozialen Kontext setzte. Über die Dauer der Serie ergeben sich Zusammenhänge, die die Beziehungen zueinander definieren. Der Roman „Das Geld“ gibt erschütternde Einblicke in die korrupte und unbeständige Welt der Börse von 1855. Die Brisanz des Themas bleibt aktuell und auf unsere heutige Zeit anwendbar.

Hauptperson Saccard motiviert das junge Geschwisterpaar, Carolin und Hamelin, zur Beteiligung an seinen Geschäftsplänen und gründet mit ihnen die Banque Universelle. Keiner der drei verfügt über Rücklagen, die sie als Stammkapital geltend machen können und üben sich deshalb in Betrug. Im Wettbewerb mit dem übermächtigen Bankier Gundermann unternimmt Saccard alles, um seine Ziele wirksam durchzusetzen: Er versammelt einen Kreis von Zahlungsgeber, die allerdings niemals investieren. Er fälscht Bilanzen, spekuliert ohne Unterlass zum eigenen Vorteil, gründet Briefkastenbanken und instruiert Presseleute, die Nachrichten in seinem Sinne zu manipulieren. Der Plan geht zeitweilig auf. Die Kleinanleger verspekulieren gierig ihr mühsam Erspartes, während die Gründer kurzfristig einen finanziellen Aufschwung erfahren. Die Halbwertszeit derartiger Scheingeschäfte ist jedoch stark begrenzt und so bricht das Kartenhaus aus Aktien, Wertpapieren und Wechselscheinen zusammen.

Zola beschreibt präzise die Mechanismen des Geldzyklus und die Kausalität kleiner Entscheidungen. Ein stetiger Wechsel der Szenerie von Betrügern und Betrogenen verdeutlicht die Gewissenlosigkeit der Einen und das Leid der Anderen. Detailliert und versiert entführt er den Leser in eine Welt, die sich durch Macht und Geld definiert und kaum Raum lässt für ein Gefühl wie Menschlichkeit.


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