Horst Evers 150x150 Für Eile fehlt mir die Zeit   Horst EversHorst Evers ist mit Sicherheit kein Mensch des ausgeklügelten Zeitmanagements. Die Dauer einer Zugfahrt ist für so manchen ein dankbares Zeitfenster zur Erledigung der E-Mails, Telefonate oder im einfachsten Fall zum Lesen. Unvorstellbar für den Wahlberliner, der zur Vollendung dieser Tätigkeiten mindestens eineinhalb Wochen bräuchte.

Das sechste Buch schließt relativ nahtlos an seine früheren Ausführungen an, in denen er beispielsweise die Abhängigkeit von Google in Frage stellte.  Allerdings muss man an dieser Stelle hinzufügen, dass Herr Evers mit Google auf dem Kriegsfuß steht. Sein erster Versuch, sich Suchergebnisse zu seinem Namen aufzeigen zu lassen, brachte ihm die Rückfrage „Worst ever?“ ein. Mit derartigen Anekdoten aus dem stinknormalen Leben begeistert er seine Leser, die das Wechselspiel von schlauer Humoreske und dummen Klamauk mögen. So berichtet er einerseits vom Sinn und Unsinn der Kaffeemaschinen, deren Funktionsweise der Nutzer für den nächsten Morgen vorbestellten kann oder aber wahlweise von seinem Nachbarn, der pausenlos twittert. „Analoges Klassik-Innenhof-Twittern XXL“ nennt er es, wenn sein internetloser Nachbar seine Aktivitäten durch das Fenster auf den Hinterhof schreit. „Für Eile fehlt mir die Zeit“ ist die laut gewordene Anklage eines Mannes, der sich nicht stressen lassen will. Evers Witz ist erprobt und deshalb so gut. In Berlin einschlägig als Kabarettist bekannt, leben seine Bücher von der dramatischen Erfahrung. Horst Evers ist das liebenswerte Schandmaul eines frechen Nachbarsjungen, dem man nicht böse sein kann und in jedem Fall eine gute Unterhaltung.

 


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