Hiobs Brüder
8
Dez 09
Wenn man sich so die Rezensionen im Internet über Hiobs Brüder anschaut, möchte man meinen, die Rezensenten haben sich etwas zu sehr an die Vorlage gehalten. Denn mit gut 900 Seiten ist der Roman nicht unbedingt als Taschenbuch im wörtlichen Sinne geeignet. Nichtsdestotrotz erscheinen einem die Seiten letztlich viel zu wenig und man möchte im Grunde nie auslesen. Stattdessen schafft es Rebecca Gablé von der ersten Sekunde an zu begeistern. Kein Erst-in-die-Geschichte-kommen, Abwarten, Geduldig-sein. Nein, es geht gleich richtig zur Sache.
Die Geschichte selbst handelt von 8 Menschen, die nicht unbedingt zur Crème de la Crème gehören. Es sind die Ausgestoßenen, Verbannten, Weggesperrten. Ihr geistiges oder körperliches Gebrechen wurde von der Gesellschaft des 12. Jahrhunderts in England nicht akzeptiert und nur einem Zufall, den Gezeiten, haben sie es zu verdanken in die Freiheit zu gelangen. In eine unwirkliche Welt, den Bürgerkrieg im damaligen England. Als Führer und auch Protagonist wird Losian auserkoren, der im Laufe der Geschichte mehr und mehr von seinem Schicksal in diesem Krieg erfährt. Denn er leidet unter Gedächtnisverlust und bald wird klar, dass dies auch eine Gabe sein kann.
Das Buch widmet sich mehr den Verlierern der Gesellschaft, oder sagen wir dem gemeinen Volk, anstatt sich gutsituierten Personen zuzuwenden. Daher findet man schnell Zugang, vor allem zu den Charakteren und insbesondere zu Losian, dem wohl viel Sympathie zukommen wird. Denn ihm wird klar, welche Verantwortung er zu tragen hat und er scheint bereit diese auch zu schultern.
