17
Jan 12

Zug um Zug

Zug um Zug Zug um ZugDas Buch „Zug um Zug“ von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück, hat nicht nur ob seines Inhaltes am Tage seiner Veröffentlichung für Wirbel gesorgt. Bereits das Buchcover schaffte es, wohl zum Leidwesen der Herausgeber, in die Presse. Denn die Anordnung der Schachfiguren ist keinesfalls korrekt, was man damit begründete, dass alles schnell gehen musste beim Fototermin. Doch das nur als Randbemerkung.

Viel wichtiger ist in der Tat der Inhalt. Es wird ein Dialog der beiden Politiker herausgeformt, der zwar nicht wirklich in Zwiegesprächen, aber durchaus in kleineren gegensätzlichen Meinungen mündet. Die jeweiligen politischen Laufbahnen werden dabei genauso beleuchtet, wie gewisse Weggefährten (Oscar Lafontaine, Thilo Sarrazin). Dabei bekommt jedoch niemand sein „Fett weg“. Es wird durchgängig auf eine sachliche Formulierung geachtet.

Zunächst behandeln die Kapitel die allgemeine geopolitische Lage, sei es zu Russland & Polen oder dem Nahen Osten. Einstweilen wird auch versucht das Bild eines modernen Politikers zu zeichnen und wie dieser sich zu geben hat. Aber auch selbstkritisch wird auf Versäumnisse eingegangen, wie das Tabuisieren der Integrationsproblematik seitens der SPD. Zum Schluss geht man noch auf die aktuelle Finanzkrise ein, ohne jedoch tatsächlich allzu viel Neues dazu beizutragen.

Überhaupt geht es in dem Buch weniger um das Finden von Lösungen, als mehr darum einen fundierten Einblick zu gewähren, um Hintergrundwissen anzusammeln und Rahmenbedingungen besser zu verstehen. Daher auf jeden Fall lesenswert!


dinner for one killer for five Dinner for One   Killer for Five Der Sketch Dinner for One gehört zu Sylvester, wie das Feuerwerk am Himmel, oder das Bleigießen mit den Liebsten. Alle Jahre wieder setzt man sich gemeinsam vor den Fernseher und schaut zu, wie Butler James versucht Miss Sophie ein angenehmes Mahl mit ihren imaginären Gästen zu bereiten. Er trinkt, weicht dem Tiger aus (zumindest eine Zeit lang) und bereitet der Lady zu guter Letzt auch anderweitig Freuden. Doch wie kommt es eigentlich, dass ihre Gäste nicht wirklich am Tisch sitzen?

Diese Frage wird in dem Buch: Dinner for One – Killer for Five auf humoristische Weise erörtert. Denn wer glaubt Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom seien friedlich entschlafen, irrt gewaltig. Sie sind in das Fadenkreuz einer heißen Liebschaft zwischen dem Butler und Miss Sophie geraten, neben der sogar Romeo & Julia wie eine friedliche Romanze wirkt.

Weder der Butler noch Miss Sophie selbst sind hier zimperlich und sorgen für das Verscheiden der Gäste. Wer nun gut aufgepasst hat, wird feststellen, dass wir es nur mit 4 Gästen, jedoch 5 Morden zu tun haben. Wer ist also die geheimnisvolle fünfte Person? Auch das wird in dem Buch erörtert und man schlägt anschließend die Hände vor dem Kopf zusammen, war es doch die ganze Zeit vor unseren Augen und wir haben es dennoch nicht gesehen.

Unterhaltsame Lektüre im hochwertigen Hardcover-Druck mit zahlreichen Zeichnungen. Und dann die erotischen Szenen erst…


Im Wald der stummen Schreie Jean Christophe Grangé   Im Wald der stummen SchreieAuch heute möchte ich wieder einen Jean-Christophe Grangé-Roman in den Vordergrund rücken und vorstellen. Wer den Autor kennt, weiß, dass es sich bei seinem Buch nicht unbedingt um eine Gute-Nacht-Lektüre handeln wird. Stattdessen wird das Böse selbst zu Papier und in die Köpfe des Lesers gebracht. Grangé selbst sieht sein Buch Im Wald der stummen Schreie als letzten Teil einer Trilogie, bestehend außerdem aus Das schwarze Blut und Das Herz der Hölle. Nach eigenen Aussagen zeigt die Trilogie die Ursachen des Bösen und der menschlichen Natur. Die Teile sind inhaltlich nicht miteinander verbunden, spiegeln aber den gleichen mythischen Charakter wider.

In dem Buch geht es um den grausamen Mord an drei Frauen. Sie alle wurden ausgeweidet und anschließend zur Schau gestellt. Die Untersuchungsrichterin Jeanne Korowa wird auf die Mordserie angesetzt und soll den Täter fassen. Dabei führen die Ermittlungen durch die Pariser Innenstadt bis nach Südamerika, insbesondere den argentinischen Wald.

Hervorzuheben ist die äußerst gelungene Charakterisierung von Jeanne, die als bestechende Analytikerin aber eben auch als Kaufsüchtige dargestellt wird. Es ist ein durch und durch menschliches Abbild, das Sympathien weckt.

Die expliziten Gewaltdarstellungen sind typisch für Grangé. Der Roman selbst ist atmosphärisch dicht und sehr spannend und verzichtet glücklicherweise auf unnötige Wendungen und dergleichen.


Ken Follet Die Löwen Ken Follett – Die LöwenDie Irrungen und Wirrungen des Afghanistan-Krieges nehmen kein Ende. Doch wer glaubt, das Land wäre erst seit einigen Jahren der Kriegsmaschinerie und Machtspielchen unterworfen, irrt. Bereits im Dezember 1979 wird Afghanistan von der Sowjetunion heimgesucht. 1982 sind die Städte zerbombt und das afghanische Volk, welches so eigentlich gar nicht existiert, sondern zwei Mehrheiten bildet – Paschtunen im Süden, die zumeist die Taliban stellen und Tadschicken im Norden, die sich sowohl gegen die fremden Eroberer als auch die Taliban zur Wehr setzen („Nord-Allianz“) -, leidet.

Der Roman Die Löwen erzählt mit detailreichem geographischen Hintergrundwissen über die Zeit dieses Krieges aus Sicht einer Europäerin. Die Engländerin Jane, die mit ihrem französischen Mann und einem amerikanischen Freund aus früherer Zeit ebenfalls die Berge bewohnt. So wird das Leben der Einheimischen, als auch das eigene geschildert. Man erkennt plötzlich, was in diesem Land und vor allem den Menschen vorgeht. Auch die wahre Geschichte des „Nord-Allianz“-Führers Ahmed Schah Massud wird hier erzählt.

Das Buch ist in typischer Follett-Manier spannend bis zum Schluss. Die derzeitige Aktualität rund um Afghanistan macht es umso authentischer. Vor allem die Machtspielchen zwischen dem KGB und der CIA mit ihren konträren Interessen und die Verstrickungen zwischen dem Ärztepaar und deren Leidenschaften hauchen dem Roman viel Leben ein.


Thorsten Havener Denk doch was du willst Denk doch, was du willst – Die Freiheit der GedankenNach “Ich weiß, was du denkst” und “Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten” ist “Denk doch, was du willst – Die Freiheit der Gedanken” nun das dritte Buch von Thorsten Havener. Der Mann scheint einen Zeitgeist getroffen zu haben. Menschen interessieren sich immer mehr für die unterschwelligen Botschaften, für Gestik und Mimik. Selbst Serien wie Lie to Me machen deutlich, dass es offenbar mehr gibt und man das Dazwischen oder Dahinter erkennen muss, um einen Menschen zu verstehen oder beeinflussen zu können.

So legt Havener den Schwerpunkt im Buch auch auf das Erkennen von Gestik und Mimik und wie man Menschen beeinflussen kann. Er nutzt absichtlich nicht das Wort manipulieren, da es schon sehr negativ geprägt ist. Wir denken dann an windige Autoverkäufer, Vertreter vor unserer Tür oder die Kaffeefahrt, bei der einem alles Mögliche angedreht wird. Doch man muss Menschen nicht gegen ihren Willen manipulieren. Stattdessen kann man sie positiv beeinflussen, von den eigenen Stärken überzeugen. Sowohl im Privat- als auch Berufsleben kann das der entscheidende Unterschied sein.

Wer die ersten beiden Bücher gemocht hat, wird auch hier wieder voll auf seine Kosten kommen. Mit witzigen Anekdoten vermittelt der Autor sein Wissen und zaubert dem Leser einstweilen auch ein Schmunzeln auf die Lippen. Für Profis auf dem Gebiet ist der Inhalt sicherlich nichts neues, da er zumeist sehr allgemein angeschnitten wird.


Plan D Simon Urban – Plan D Ostalgie, also die Nostalgie zu den „guten, alten DDR-Zeiten“, ist ja schwer in Mode. Filme wie „Goodbye Lenin“ haben ein verklärtes Bild der DDR in den Köpfen der Leute manifestiert, so dass sich viele „Ossis“ wünschten (die Wessis ja sowieso), die Teilung Deutschlands solle zurückkommen. Dabei vergessen wohl viele, wie es tatsächlich zugegangen ist. Plan D schafft es auf ungewöhnliche Weise, ein Bild der DDR zu zeichnen, das mit Wortwitz und Intelligenz die Probleme aufdeckt.

Wir haben das Jahr 2011 und nach einer kurzzeitigen Maueröffnung wurde diese wieder geschlossen – zu viel Abwanderung. Egon Krenz ist an der Macht und wacht über einen der letzten sozialistischen Staaten. Ein verpesteter Moloch wegen des neuen Trabanten „Phobos“ (ein Mond des Mars, daher Trabant) und das Land liegt finanziell am Boden. Verhandlungen mit der BRD werden zudem durch einen Mord an einem Wissenschaftler erschwert. Das Problem ist, dass die Stasi darin verwickelt zu sein scheint, was es für den sympathischen Volkspolizisten Martin Wegener geradezu unmöglich macht, ungestört zu ermitteln. Niemandem ist zu trauen. Zu allem Überfluss fahndet er auch das erste Mal gemeinsam mit einem Wessi nach dem Täter. Wenn das mal gutgeht.

Simon Urban hat in seinem Debütroman eine herrliche Fiktion der heutigen DDR, so sie denn existieren würde, gezeichnet. Detailverliebt und mit einer Wortgewandtheit, die erstaunlich ist. Umso mehr, da der Autor erst 1975 in Westdeutschland geboren wurde.


28
Mär 10

Der Turm

Der TurmMit Der Turm hat Uwe Tellkamp 2008 den Deutschen Bücherpreis gewonnen. Das gut 1.000 Seiten fassende Mammutwerk erzählt die Geschichte der DDR zwischen den Jahren 1982 und 1989. Anhand seiner Protagonisten, welche in Dresden beheimatet sind, schildert er ein recht düsteres Bild der letzten Jahre. Keine “Ostalgie”, wie sie andernorts geradezu zelebriert wird.

Diese Ansichtsweise mag vielen, vor allem ehemaligen DDR-Bürgern, befremdlich, ja gar abstoßend, vorkommen. Möchten sie doch gerne das Bild der guten alten Republik hochhalten, zu der viele auch gerne wieder zurückkehren würden, wenn denn möglich. Dagegen hält Tellkamp eine Gesellschaft des allmählichen Zerfalls. Wo sich Schimmel an den Decken bildet, der nicht einmal mehr mit Bootslack bekämpft werden kann. In der eine Plangesellschaft alles vorgibt und Lagermentalität gelebt wird. Auch die Stasi-Machenschaften werden en detail wiedergegeben und zeigen eine zutiefst erschütterte Seele, die das Vertrauen in den Nachbarn und all die anderen Mitmenschen verloren hat.

Vielleicht ist es zu viel Schwarzmalerei, vielleicht aber auch genau die richtige Dosis, um einen verklärten Blick auf eine Vergangenheit zu werfen, die sicher auch ihre glücklichen Momente hatte, jedoch nicht ohne Grund dem Untergang so nahe stand.

Der Turm wird in jedem Fall ein Standardwerk zum Leben der damaligen Zeit werden, da hilft auch noch so viel Kritik nicht.


2
Mär 10

Der Alchimist

der alchimistMöchte man seinen Zuhörern oder Lesern etwas mit auf den Weg geben, so empfiehlt es sich in den seltensten Fällen direkt Ratschläge zu erteilen, oder gar belehrend aufzutreten. Vielmehr muss die Botschaft, verpackt in eine schöne Geschichte, subtil erkannt werden. Ganz ähnlich einer Fabel, welche zum Ende hin eine gewisse Moral beherbergt. Dieses Kunststück ist dem brasilianischen Autor Paulo Coelho auf so bewundernswerte Weise gelungen, dass sein Buch Der Alchimist durchweg gute Kritiken erhalten hat und zum Träumen einlädt.

In der Geschichte geht es um den Schafshirten Santiago, der immer wieder den gleichen Traum von einem Schatz am Fuße der Pyramiden hat. Er kommt nicht mehr davon los und macht sich mit einiger verbaler Ermutigung auf, sein persönliches Abenteuer anzugehen. Gleich eine seiner ersten Stationen stellt ihn jedoch auf die Probe, als er bei der Überquerung der Meerenge von Gibraltar um sein Hab und Gut gebracht wird. Doch er gibt nicht auf und lernt auf seiner Reise eine Menge interessanter Menschen kennen, unter anderem auch einen Alchimisten. Ihnen wird nachgesagt, dass sie ein Stück Metall nur lange genug erhitzen müssen, um seine darin vorhandene Seele zu befreien.

Das Buch ist eine Geschichte über den Mut seine Träume zu verfolgen und nicht aufzugeben, auch wenn es manchmal schwer im Leben wird. Man muss sich nur selbst treu bleiben und darf sich nicht abbringen lassen. Doch schöner als ich, sagt es der Geschichtenerzähler selbst mittels seiner Figuren:

“Mein Herz fürchtet sich davor, zu leiden”, vertraut der Junge dem Alchimisten eines Nachts an, als sie in den mondlosen Himmel schauen.
“Sag deinem Herz, daß die Furcht vor dem Leiden schlimmer ist, als das Leiden selbst”, antwortet der Alchimist. “Und daß noch nie ein Herz auf der Suche nach seinen Träumen gelitten hat, weil jede Sekunde der Suche eine Sekunde der Begegnung mit Gott und der Ewigkeit ist.”


Gezeichnet HONMomentan scheint es ja fast so, als wäre alle Welt im Twilight-Fieber. Nach den bahnbrechenden Erfolgen der Bücher von Stephanie Meyer und der mittlerweile zwei Filme, ist die Welt offenbar heiß auf Vampire und ihre Storys. Da verwundert es nicht, dass es hier noch so einiges in der Bücherfundgrube zu entdecken gibt. Die Buchserie Gezeichnet: House of Night (kurz HON) belebt das Genre weiter und bietet jede Menge Lesestoff für eifrige Vampirfans.

Dabei handelt es sich bei HON keinesfalls um einen billigen Abklatsch oder dergleichen. Vielmehr gibt es diese Serie schon einige Jahre in englischer Fassung, geschrieben von einem Mutter-Tochter Autorengespann. Jetzt aber kommt HON auch endlich in einer deutschen Fassung auf den Markt. Auch sollte man keinesfalls denken, dass man es hier mit einem zweiten Twilight zu tun bekommt. Die Story und Charaktere sind gänzlich verschieden und sollten unbedingt eigenständig betrachtet werden.

Es geht um die 16-jährige Zoey Redbird, die eines Tages ein Zeichen auf ihrer Stirn entdeckt, eine blaue Mondsichel. Fortan wird sich ihr Leben vollkommen verändern, denn sie muss nun auf die Vampyrakademie. Schnell muss sie erkennen, dass sie auch unter den Vampyr etwas Besonderes ist, denn Nyx, die Göttin der Nacht, hat ihr ganz besondere Kräfte verliehen. Im ersten Band erfährt der Leser nun alles von den einzelnen Charakteren und der ersten Woche auf dieser Schule mit ihren vielen Riten. Ich bin gespannt auf den nächsten Teil…


Die Tore der Welt18 Jahre auf eine Fortsetzung zu warten ist schon eine beachtliche Zeitspanne. Doch genau so lange hat es gedauert, bis Ken Follet sich dazu durchringen konnte (49 Millionen Euro Vorschuss waren da sicher auch ein netter Anreiz) eine Fortsetzung seines Bestsellers „Die Säulen der Erde“ zu schreiben. Mit Die Tore der Welt hat er das Flehen der Fangemeinde endlich erhört und ihnen auch gleich mal einen dicken Brocken vorgesetzt. Über 1.100 Seiten umfasst das neueste Werk, ist dafür aber auch in einem wunderschönen Leineneinband gehalten, mit hauchdünnen Seiten, die das Buch überhaupt nur „handlich“ machen, und einem roten Lesezeichen. Es erweckt sofort den Eindruck einer längst vergangenen Zeit.

Und in einer solchen spielt auch die Handlung des Buches. Rund 200 Jahre später als der Vorgänger, befinden wir uns wieder in Südengland und dürfen miterleben, wie die Protagonisten sich über die Jahrzehnte hinweg wandeln. Wir bekommen so einen Eindruck vom Klosterleben, der Architektur, aber auch vom Adel. Wir werden sozusagen Zeitzeugen einer längst vergangenen Epoche und gleichzeitig daran erinnert, unter welch zum Teil widrigen Umständen die Menschen damals zu leben hatten. So ist es schön diese Welt einmal als Besucher zu erleben, aber tatsächlich in ihr leben, möchte heute wohl niemand mehr.

„Die Tore der Welt“ ist eine absolut gelungene Fortsetzung und erfreut mit der typisch einfachen Schreibart eines Ken Follet und einer interessanten Mischung aus Spannung und Historie.