RuhmNach seinem Romanbestseller „Die Vermessung der Welt“ war jene Welt darauf gespannt zu sehen, was Daniel Kehlmann in seinem Folgeroman bewerkstelligt. „Ruhm – Ein Roman in neun Geschichten“ ist dieses Nachfolgewerk und konnte gleichermaßen begeistern, wie enttäuschen. Kehlmann hat in diesem Buch Wert auf Inkonsistenz gelegt. Der Stil ist nicht homogen und spiegelt so der verschiedenen Ansätze und Geschichten wieder. Es ist der Versuch eine sich ständig wechselnde Gesellschaft zu begreifen, die durch die Instrumente des Internets und des Mobilfunks ihre Verwurzelung verliert. Man lernt Menschen immer schneller kennen, nur um sie ebenso schnell wieder aus den Augen zu verlieren. Eine ständige Wandlung durchzieht das Miteinander und verwischt damit auch die eigene Individualität. Eine greifbare Wirklichkeit verschwindet zunehmend und erscheint nur noch in Facetten verschiedener Illusionen, oder war es doch umgekehrt? Gelebt wird in einem “paradoxen Schwebezustand desinteressierter Anspannung”.

Das Verwirrspiel um die Einzelgeschichten wird schlussendlich mehr oder weniger aufgelöst, doch darf man als Leser keine umfassende Lösung erwarten. Vielmehr bleibt der Geschmack der Orientierungslosigkeit, die das ganze Buch durchläuft wie der sprichwörtliche rote Faden. Beim Lesen lebt man also den Kontext der Geschichten, ohne dass einem das sofort bewusst wird. Wo Türen geschlossen werden, öffnet sich eine neue. So ergeht es den Protagonisten des Werks, als auch dem hilflosen Leser selbst. Es scheint wie eine Begegnung von Schicksalen, ohne dass diese sich tatsächlich berühren. Vielmehr schleichen sie umeinander herum, beschnuppern sich und wechseln je nach Bedarf ihre Rolle. Womöglich ist es ein Spiegel der Gesellschaft.