22256159n Dunkler Dämon – Dearly Devoted Dexter (engl. Original)Nach „Des Todes dunkler Bruder“ kommt von Jeff Lindsay nun der Folgeroman Dunkler Dämon/Dearly Devoted Dexter mit und um Dexter Morgan, dem freundlichen Serienkiller aus der Nachbarschaft. Man muss ihn einfach lieb haben, den zuvorkommenden, immer freundlichen Serienmörder Dexter, der als Blutspezialist bei der Polizei von Miami arbeitet. Nachdem er im ersten Teil ja schon mit seinem Bruder fertig werden musste, der seine wahre Identität kannte, hat er es nun mit seinem übereifrigen Kollegen Sergeant Doakes zu tun, welcher Dexter nie wirklich leiden konnte, ihm aber auch allmählich auf die Schliche kommt.

Zu allem Überfluss ist Dexters Schwester auch noch leicht traumatisiert und Bedarf einer soliden Umgebung, möglichst ohne weitere Morde und einem geistig kranken Bruder, der ins Gefängnis kommt. Also macht Dexter das, was er nach dem Morden am besten kann, er verstellt sich und spielt Friede, Freude, Eierkuchen. Mit seiner Freundin und ihren zwei Kindern versucht er ein normales Familienleben zu zelebrieren, was dann aber ein wenig ins Wanken gerät, als ein anderer Serienmörder die Stadt unsicher macht. Zwei Serienmörder in einer Stadt sind eben einer zu viel.

Die wieder sehr kühle, emotionslose, aber doch irgendwie humoristische Art von Dexter nimmt einen sofort erneut gefangen und sorgt für spannende Unterhaltung. Mein Tipp: unbedingt im englischen Original lesen, da die Übersetzung echt zu wünschen übrig lässt.


25
Mai 10

HimbeerToni

HimbeerToniEndlich mal wieder ein schön schnoddriger Roman über das Erwachsenwerden von uns Jungs. Denn am liebsten werden wir ja überhaupt nicht erwachsen und schlittern von der Pubertät direkt in die Rente. Die Punkband HimbeerToni und deren Mitglieder um den gleichnamigen Anton „HimbeerToni“ Hornig sind da keine Ausnahme und alles könnte so schön und einfach sein, wenn da nur nicht die Frauen wären.

Denn wo Bier die Zunge lockert, kommen Geschichten zu Tage, die tragisch aber vor allem urkomisch sind. Denn plötzlich sind Kinder, eine Heirat und Schulden das Gesprächsthema Nummer 1 und verdrängen so schöne Dinge wie Penisbrüche. Pardon, das kommt ja doch vor ;)

Die Altrocker geben sich dabei die Klinke in die Hand und herausgekommen ist ein sehr feiner, spritziger Roman, bei dem es drunter und drüber geht und es nie langweilig wird. Gerade zum Ende schmeißt man sich da auch gut und gerne mal vor Lachen weg und hat definitiv seinen Spaß!

Gerade die „Nordlichter“ werden sich hier ein wenig wiedererkennen und Gefallen an dem Roman finden. Wer also was Schrulliges sucht, das dennoch klug und witzig geschrieben wurde, der sollte hier zugreifen. Echte Kerle mit butterweichen Herzen und vor allem jede Menge Bier warten auf euch.


Plötzlich ShakespeareRosa bezeichnet sich selbst als das typische Klischee. Nicht wirklich erwähnenswert und daher auch eher traurig. Im Zuge dessen geht sie mit einem vermeintlichen One-Night-Stand in den Zirkus, wo sie auf einen Magier trifft, der sein Handwerk zu verstehen scheint. Denn wenig später findet sie sich in das 16. Jahrhundert zurückversetzt und teilt sich den Körper mit niemand geringerem als William Shakespeare. Auch ihr Timing könnte besser sein, da sie mitten in ein Duell hereinplatzt.

Fortan muss Rosa versuchen sich im mittelalterlichen England zurechtzufinden und stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste. Doch die Krönung sind sicherlich ihre Dialoge mit Shakespeare, oder sind es Monologe? Wie dem auch sei, die beiden bekabbeln sich und David Safier versteht es vortrefflich die Widrigkeiten einer solchen Begegnung zur Schau zu stellen, ohne unter der Gürtellinie zu landen. Wie zum Beispiel geht man als neuerlicher Mann auf Toilette, ohne seine Genitalien anzuschauen, geschweige denn anzufassen?

Das Buch Plötzlich Shakespeare ist ein großes Klischee, das wissen auch der Autor und der Leser innerhalb der ersten Seiten. Daher ist es auch nicht schlimm, denn man weiß worauf man sich einlässt und kann fortan unbeschwert lachen und schmunzeln. Natürlich verbirgt sich hinter all dem Klamauk auch eine Prise Romantik, denn Rosa darf Shakespeares Körper erst verlassen, wenn sie weiß, was wahre Liebe ist.


Radio HeimatIch muss zu allererst einmal ein Geständnis ablegen. Ich stamme nicht aus dem Ruhrgebiet! Ich weiß, ich weiß. Nicht jeder kann perfekt sein und ich bitte sogleich um Vergebung. Nichtsdestotrotz möchte ich auf Radio Heimat: Geschichten von zuhause eingehen. Ein Buch für Nostalgiker und solche, die den Ruhrpott mal von seiner schönsten Seite erleben möchten.

Frank Goosen beschreibt in seinem Buch das Leben, wie es war und ist. In seinen kurzweiligen Geschichten erzählt er von lustigen Anekdoten in seiner ganz eigenen, unverkrampften, ehrlichen Art. Für all jene, die diese Welt aus nächster Nähe kennen, wird es wie ein Blick in die eigene Vergangenheit. Von Tanten in engen Kitschschürzen, Bolzplätzen und Schrebergärten.

Dieses Buch ist einfach zum wegpacken und sentimental werden. Man lacht, man schwelgt in Gedanken und fühlt sich bestens unterhalten. Auch als Nicht-Heimischer bekommt man einen ganz privaten Einblick in das Leben und die Menschen vor Ort und fühlt sich gleich ein wenig heimelig.

Selbst die „Verpackung“ lässt einen sofort erahnen, was einen erwartet und führt zu sofortigen Sympathiebekundungen.

Wer also ein schnelles Lesevergnügen sucht, ein literarisches Häppchen für zwischendurch, der ist mit diesem Buch bestens aufgehoben und wird köstlich amüsiert.


Man tut was man kannIn diesem Buch geht es über Männer! Naja, und auch über Frauen, ach und eigentlich über alles was irgendwie mit diesen beiden Geschlechtern zu tun hat. Kurz gesagt, mit diesem Buch erlebt man Leben, in einer zugegebener Maßen leicht übertriebenen, dafür aber umso witzigeren Form.

Man tut was man kann erzählt die Geschichte von Paul aus der Ich-Perspektive. Dr. Paul Schuberth ist um die 40 ist sozusagen in seinen besten Jahren. Manch einer möchte hier von Midlife-Crisis reden, doch dem ist nicht so, wirklich nicht. Ok, vielleicht ein wenig. Viel Schlimmer sind aber seine stetig wachsende Zahl von Mitbewohner. Alles ein wenig schrullig, dafür aber umso knuffiger, sorry, männlich irritiertet meine ich natürlich.

Das Buch “Man tut was man kann” zeigt das (Gedanken)Leben von Männern. Unterschiedliche Männer, mit teilweise übereinstimmenden Ansichten und interessanten Herangehensweisen an die Probleme des Alltags. Wenn es um Männer und Wünsche geht, kann Sex natürlich nicht weit sein und so spielt der, wie unüblich, auch eine nicht all zu untergeordnete Rolle in diesem Roman.

Alles in Allem werden sie hier ein witziges Lesevergnügen vorfinden, das Beobachtungsgabe, Zynismus und Humor in gekonnter Art und Weise verbindet. Letztlich wird sich wohl gerade das weibliche Geschlecht über diesen Roman freuen, denn er zeigt, dass wir Männer eben manchmal auch nur verkappte Frauen sind.


SternschnuppenDer geneigte Leser, pardon die geneigte Leserin wird Anne Hertz vermutlich schon kennen. Glückskekse war einer ihrer ersten Romane und ist eingeschlagen wie ein Sahnetörtchen auf den Hüften. Sie gilt zwar als Vertreterin von typischen Frauenromanen, die auch gerne mal etwas kitschig daherkommen, aber immer durchweg gut lesbar sind und kurzweiliges Vergnügen bieten.

Mit Sternschnuppen ist Anne Hertz ihr vielleicht bisher bester Roman gelungen. Was ihn so besonders macht? Nun, zum einen wäre da der untypische Rollentausch. So ist die Protagonistin nicht wieder das trottelige Aschenputtel, das insgeheim nur darauf wartet gerettet zu werden. Nein, diese Frau ist eine Hoteldirektorin, die weiß was sie will. Leider kommt ihr dabei eine kleine Schwangerschaft in die Quere und zu allem Überfluss ist sie nun auch noch auf sich alleine gestellt, da sie ihren Freund mit der Sekretärin erwischt. Doch für eine Karrierefrau ist das kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Nichts, was man nicht auch mit einem Kindermädchen bewältigen könnte! Doch das möchte erst mal gefunden werden. Das Kindermädchen der Wahl heißt dann irgendwann Alexej und ist ein Mann, der wie man ihm jedoch zu Gute halten muss mit fünf Geschwistern eine ausreichende Qualifikation haben sollte.

Die Handlung der Story wird immer wieder mit der Hotelbranche verknüpft und zeigt auf witzige Art und Weise, wie es dort manchmal zugeht, nämlich drunter und drüber. Hotelkenner werden sich hier wiederentdecken und zustimmend nicken, wenn sie die Szenen lesen und gedanklich mit eigenen Erfahrungen in Verbindung bringen. Ein absolut gelungenes Buch.


25
Aug 09

A$$hole

AssholeWer hinter diesem Titel die Beschreibung seiner selbst wiederfindet, sollte sich mal so seine Gedanken machen. Der Roman A$$hole (Asshole): Wie ich lernte ein Schwein zu sein, ist kein all zu ernst gemeintes Buch. Es verbirgt sich auch keiner dieser grotesken Ratgeber dahinter, die einem Reichtum und Glück suggerieren. Vielmehr handelt es sich bei dem Buch von Martin Kihn um eine Persiflage dessen.

Protagonist des Romans ist Marty, der in Ich-Erzählung seine Erlebnisse vom Schlappschwanz zum vermeintlichen Arschlochdasein erzählt. Geboren als notorisch schuldbewusster Ja-Sager fühlt er sich am Rande seiner Midlife-Crisis dazu berufen ein Arschloch zu werden, um so mehr vom Leben zu haben. Das Ihm die Wandlung dabei äußerst schwer fällt ist zum einen sehr lustig und unterhaltsam, zum anderen bestätigt es mal wieder, dass man sich eben nur in den seltensten Fällen um 180 Grad drehen kann.

Wer nun selber ein Arschloch (Asshole) werden möchte, der braucht dieses Buch nicht, denn der Grundgedanken ist offensichtlich schon manifestiert. Wer aber über die Ironie eines solchen Buches und der Thematik lachen kann, dem sei Asshole wärmstens als beiläufige Lektüre ans Herz gelegt. Es ist wie in so vielen Dingen, der Weg ist das Ziel und Arschloch zu sein ist eben meist doch nicht das Wahre…


24
Aug 09

Email an Alle

Email an alleDie Email ist für die meisten Menschen von heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Gerade im Berufsleben ist sie neben dem Telefon wohl das am häufigsten gebrauchte Medium. Da war es also naheliegend ein Roman zu schreiben, der sich genau damit Befasst. Herausgekommen ist ein aberwitziges Stück Literatur, dass ihre Lachmuskeln ordentlich quälen sollte.

Mittelpunkt ist die Werbeagentur Miller & Shanks. Das gesamte Buch besteht im Grunde nur aus Emaildialogen und kommt so ohne eigentliche Hintergrundhandlung aus. Das heißt zu einen ist es eine Umgewöhnung und gerade am Anfang ein wenig verwirrend. Zum anderen wird Durchhaltevermögen hier aber belohnt und mündet in sehr lustigen Emails, die wohl nicht weit von der Realität entfernt sind. Außerdem hat die Phantasie eines jeden Lesers genug Raum, um sich noch weiter zu entfalten und die Geschichte im Kopf selbst weiter zu spinnen.

Beaumont beweist in Email an Alle sein Gespür für Komik und kann mit dem rabenschwarzen englischen Humor gut punkten. Er selbst stammt aus einen solchen Berufsumfeld, hat sich aber nach Beendigung dieses Romans hier heraus gezogen. Sie können sich also vorstellen, dass hier kein Auge trocken bleibt und nicht jeder gut davon gekommen ist. Sie werden wohl auch nicht umhinkommen, nach der Lektüre dieses Buchs die Kollegen im Büro den einzelnen Charakteren zuzuordnen…


20
Aug 09

Geisterfahrer

GeisterfahrerAls Sechsjähriger verliert Tim Köhrey (man könnte es Curry aussprechen) seine Eltern bei einem Autounfall, sie erraten welcher Art dieser ist. Also kommt er zu Pflegeeltern, die ihn nicht besonders gern haben, dafür aber das Pflegegeld umso mehr. Er kommt aufs Gymnasium und lernt seinen dicken – pardon – fetten Freund Kuhle kennen. Durch Dick und Dünn gehen sie fortan durchs Leben und machen durch ihr DJ-Talent auf sich aufmerksam. Ganz nebenbei findet Tom mit 17 noch seine große Liebe, Melanie. Das Leben könnte nicht schöner sein.

Doch hat alles, oder zumindest vieles leider auch ein Ende. Freundin knutscht Fremd, bester Freund tut noch etwas viel schlimmeres und so lässt Tim alles hinter sich. Mit gelegentlichen DJ-Auftritten, One-Night-Stands und Puffbesuchen lässt sich das Leben einigermaßen ertragen und betäubt den Schmerz der Vergangenheit.

Doch die Geister der Vergangenheit sind stärker als die Freude rund um ein Reihenhaus, Job als EDV-Faktotum und Vernunftehe. Mit 37 macht sich Tom also noch mal auf, das große Glück zu finden.

Geisterfahrer von Tom Liehr ist wohl das bisher beste Buch dieses Autors. Man merkt dass er sich in diesem Genre wohl fühlt und die locker, leichte Sprache ist flüssig und gut zu lesen. Es ist eine Geschichte um Liebe, die Flucht vorm Leben und Wiederbesinnung.


 Ach, wär ich nur zuhause gebliebenKerstin Gier dürfte dem einen oder anderen (aufmerksamen) Leser mittlerweile ein Begriff sein. Die Autorin ist allgemein hin für ihre witzigen Romane bekannt, die sich nicht ausschließlich aber in gewisser Weise überwiegend an Frauen und deren Humor richten. Aber um hier nicht gleich weiter Klischees zu bedienen, können und sollten auch Männer mal reinschauen, denn die Komik ist durchaus für jedermann verständlich, nicht nur Frauen :)

Bei „Ach, wär ich nur zuhause geblieben“ handelt es sich jedoch nicht um einen Roman, sondern mehrere Kurzgeschichten; eine Geschichtensammlung sozusagen. Rund um das Thema Verreisen werden die “Pleiten, Pech und Pannen”-Folgen in amüsanter und Gier-typischer Manier wiedergegeben, so dass parallelen zur eigenen Urlaubszeit meist unausweichlich sind.

Eine hervorragende Stresstherapie, oder Vorbereitung auf den nächsten Urlaub. So dass sie schon vorher die Dinge mit einem Lächeln nehmen und wissen worauf sie sich einlassen könnten. Natürlich eignet es sich auch ganz hervorragend für die gemütlichen Stunden am Strand, in denen man nicht so recht weiß, was man mit sich anfangen soll. Denn nur knusperbraun braten, wird auf Dauer ja doch etwas eintönig. Nutzen sie also die Gelegenheit von anderer Leute Pech zu profitieren und ihre Schadenfreude voll auszukosten. Es tut in diesem Fall ja auch niemandem weh.