Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt Bei Hitze ist es wenigstens nicht kaltWas für Männer der 40. Geburtstag mit anschließender Midlife-Crisis ist, stellt für Frauen der 50. Geburtstag dar. Die Wechseljahre stehen bevor. Hitzewallungen stellen sich ein und man steht bei minus 5 Grad vor dem offenen Fenster und schwitzt. In dem Buch Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt steht Doris kurz davor und versucht nun davor zu fliehen.

Denn die Vorstellung eines 50. Geburtstags im Kreise der Familie mit ihrer dominanten Mutter treibt ihr den Angstschweiß auf die Stirn. Als sie erfährt, dass ihr Mann genau das für sie geplant hat, packt sie ihre sieben Sachen, schnappt sich zwei alte Schulfreundinnen, die mit 49 und 48 Jahren ihre Probleme bestens nachvollziehen können, und macht sich auf an die Ostsee. Ein Wellnesstempel soll die nötige Entspanntheit bringen und vom Leid des Alltags ablenken.

Leider läuft nicht alles nach Plan und das Aufeinandertreffen mit alten Bekannten stimmt die drei Frauen nachdenklich. Haben sie sich tatsächlich ihr Leben so vorgestellt, bzw. ist so verlaufen, wie sie das geplant hatten?

Dora Heldt versteht es erneut mit ihrer flüssigen, leichten Sprache den Leser sofort an die Hand zu nehmen und durch das Geschehen zu führen. Dabei ist ihre Situationskomik meisterlich und dürfte viele Leserinnen ansprechen. Trotz seiner teilweisen ernsten Untertöne einfach ein Buch zum Schmunzeln und manchmal lauthals Loslachen.


Schmitz Mama Ralf Schmitz: Schmitz‘ MamaRalf Schmitz kennt man als den quirligen Comedian, den es von einer auf die andere Seite der Bühne zieht und der manchmal schneller spricht, als er denkt. Bei der Lektüre seines neuesten Buches Schmitz‘ Mama: Andere haben Probleme, ich hab‘ Familie sollte man genau daran denken. Das macht es sicher noch lustiger.

In dem Buch geht es um die liebe Verwandtschaft und was man über die Jahre hinweg mit ihr erlebt hat. Hauptsächlich Mama Schmitz kommt dabei nicht zu kurz. Dabei ist es jedoch keinesfalls so, dass er kein gutes Haar an ihr lässt. Statt Zynismus kommt sympathisches Unverständnis zum Tragen, wie es wahrscheinlich schon jeder von uns am eigenen Leib erlebt hat. Wer kennt sie nicht, die zahllosen Situationen, in denen man anschließend mit offenem Mund dastand und sich wunderte, was hier gerade passiert ist?

Das Buch steigert sich von Kapitel zu Kapitel und es scheint, als würde der Autor erst noch so richtig warm werden. Spätestens wenn es um das Weihnachtsshopping oder aber das Wäschewaschen geht, sollten Sie vorsichtig sein, wo Sie lesen. Denn gelegentliche Lacher sind garantiert.

Das Buch verschafft dem Leser eine kurzweilige Freude und ist ideal für zwischendurch, dank der kurzen Kapitel. Wer also etwas für die Mittagspause sucht, ist hier bestens bedient.


Das Känguru Manifest Das Känguru ManifestMarc-Uwe Kling hat mit den Känguru-Chroniken das Humorzentrum vieler Leser getroffen. Umso erfreulicher, dass er nun mit „Das Känguru-Manifest“ den heiß ersehnten Nachfolger herausgebracht hat. Erneut bekommen wir Haarsträubendes, Witziges, aber auch Deprimierendes zu hören.

In dem neuen Buch bekommt das Känguru gleich zwei neue Nachbarn. Einen Pinguin, der treffenderweise Tiefkühlkost ausfährt, und einen Sarrazin-Verschnitt. Hier trifft George Orwell auf Comedy und es werden sogar neue Bio-Limonade-Sorten vorgestellt. Wer allzu konservativ ist, sollte dieses Buch meiden, wer indes die Weltformel sucht, ist hier goldrichtig.
Fight-Clubs, Anti-Terror-Anschläge und ein asoziales Netzwerk als Pendant zu Facebook sind nur einige der Höhepunkte, um die es geht. Auch die Finanzkrise und die Bad Banks werden hier von einer ganz neuen Seite beleuchtet.

Auffällig ist, dass neben den zum Teil albernen Einlagen dieses Mal auch ein gewisser Ernst Einzug hält. Fast depressive Passagen säumen das Buch und zeigen, dass auch ein gewisses politisches Umfeld Einfluss auf den Autor genommen hat. Nach wie vor ist das Känguru aber urkomisch und sollte für jede Menge Lacher und Schmunzler sorgen. Wer das Tagesgeschehen verfolgt, wird hier mit den angebrachten Witzen seinen Spaß haben und sollte sich von öffentlichen Plätzen fernhalten. Denn lauthals loslachen sorgt für irritierte Blicke der Mitbürger ;) .


dieter nuhr Der ultimative Ratgeber für alles Dieter Nuhr: Der ultimative Ratgeber für allesDieter Nuhr ist ja so etwas wie der Philosoph unter den Comedians. Das mag zum Teil daran liegen, dass der Gute vor seiner Zeit auf der Bühne als Lehrer gearbeitet hat. Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie die bissigen Kommentare zum Zeitgeschehen damals auf seine Schüler niederprasselten. Da soll noch einer sagen, es gebe keinen vernünftigen Lehrer an unseren Schulen. In seinem neusten Buch Der ultimative Ratgeber für alles gibt Nuhr Lebenshilfe in den wirklich wichtigen Dingen des Lebens. Darunter Alkohol, Reinkarnation und Privatfernsehen. Eben all das, was uns tatsächlich Tag ein, Tag aus beschäftigt.

Natürlich darf man den Titel und auch den Inhalt des Buches nicht bierernst nehmen. Wer zum Lachen in den Keller geht, wird hier keinen Spaß haben. Dennoch schafft es Nuhr bei aller Komik, eine gewisse Sinnhaftigkeit zu verstecken, bzw. den Leser zum Nachdenken zu bringen. Aber das Buch ist und bleibt Unterhaltung. In der gedruckten Version sind auch seine handschriftlichen Vermerke und die trockenen Sprüche unter den Illustrationen ein Highlight. Das lockert auf und macht Spaß zu lesen.

Wer das Buch liest, hört fast, wie Nuhr in seinem typischen Ton redet. Für mich ein gelungenes Buch für zwischendurch. Wer das „volle Programm“ haben möchte, sollte sich überlegen, zum Hörbuch zu greifen.


22256159n Dunkler Dämon – Dearly Devoted Dexter (engl. Original)Nach „Des Todes dunkler Bruder“ kommt von Jeff Lindsay nun der Folgeroman Dunkler Dämon/Dearly Devoted Dexter mit und um Dexter Morgan, dem freundlichen Serienkiller aus der Nachbarschaft. Man muss ihn einfach lieb haben, den zuvorkommenden, immer freundlichen Serienmörder Dexter, der als Blutspezialist bei der Polizei von Miami arbeitet. Nachdem er im ersten Teil ja schon mit seinem Bruder fertig werden musste, der seine wahre Identität kannte, hat er es nun mit seinem übereifrigen Kollegen Sergeant Doakes zu tun, welcher Dexter nie wirklich leiden konnte, ihm aber auch allmählich auf die Schliche kommt.

Zu allem Überfluss ist Dexters Schwester auch noch leicht traumatisiert und Bedarf einer soliden Umgebung, möglichst ohne weitere Morde und einem geistig kranken Bruder, der ins Gefängnis kommt. Also macht Dexter das, was er nach dem Morden am besten kann, er verstellt sich und spielt Friede, Freude, Eierkuchen. Mit seiner Freundin und ihren zwei Kindern versucht er ein normales Familienleben zu zelebrieren, was dann aber ein wenig ins Wanken gerät, als ein anderer Serienmörder die Stadt unsicher macht. Zwei Serienmörder in einer Stadt sind eben einer zu viel.

Die wieder sehr kühle, emotionslose, aber doch irgendwie humoristische Art von Dexter nimmt einen sofort erneut gefangen und sorgt für spannende Unterhaltung. Mein Tipp: unbedingt im englischen Original lesen, da die Übersetzung echt zu wünschen übrig lässt.


25
Mai 10

HimbeerToni

HimbeerToniEndlich mal wieder ein schön schnoddriger Roman über das Erwachsenwerden von uns Jungs. Denn am liebsten werden wir ja überhaupt nicht erwachsen und schlittern von der Pubertät direkt in die Rente. Die Punkband HimbeerToni und deren Mitglieder um den gleichnamigen Anton „HimbeerToni“ Hornig sind da keine Ausnahme und alles könnte so schön und einfach sein, wenn da nur nicht die Frauen wären.

Denn wo Bier die Zunge lockert, kommen Geschichten zu Tage, die tragisch aber vor allem urkomisch sind. Denn plötzlich sind Kinder, eine Heirat und Schulden das Gesprächsthema Nummer 1 und verdrängen so schöne Dinge wie Penisbrüche. Pardon, das kommt ja doch vor ;)

Die Altrocker geben sich dabei die Klinke in die Hand und herausgekommen ist ein sehr feiner, spritziger Roman, bei dem es drunter und drüber geht und es nie langweilig wird. Gerade zum Ende schmeißt man sich da auch gut und gerne mal vor Lachen weg und hat definitiv seinen Spaß!

Gerade die „Nordlichter“ werden sich hier ein wenig wiedererkennen und Gefallen an dem Roman finden. Wer also was Schrulliges sucht, das dennoch klug und witzig geschrieben wurde, der sollte hier zugreifen. Echte Kerle mit butterweichen Herzen und vor allem jede Menge Bier warten auf euch.


Plötzlich ShakespeareRosa bezeichnet sich selbst als das typische Klischee. Nicht wirklich erwähnenswert und daher auch eher traurig. Im Zuge dessen geht sie mit einem vermeintlichen One-Night-Stand in den Zirkus, wo sie auf einen Magier trifft, der sein Handwerk zu verstehen scheint. Denn wenig später findet sie sich in das 16. Jahrhundert zurückversetzt und teilt sich den Körper mit niemand geringerem als William Shakespeare. Auch ihr Timing könnte besser sein, da sie mitten in ein Duell hereinplatzt.

Fortan muss Rosa versuchen sich im mittelalterlichen England zurechtzufinden und stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste. Doch die Krönung sind sicherlich ihre Dialoge mit Shakespeare, oder sind es Monologe? Wie dem auch sei, die beiden bekabbeln sich und David Safier versteht es vortrefflich die Widrigkeiten einer solchen Begegnung zur Schau zu stellen, ohne unter der Gürtellinie zu landen. Wie zum Beispiel geht man als neuerlicher Mann auf Toilette, ohne seine Genitalien anzuschauen, geschweige denn anzufassen?

Das Buch Plötzlich Shakespeare ist ein großes Klischee, das wissen auch der Autor und der Leser innerhalb der ersten Seiten. Daher ist es auch nicht schlimm, denn man weiß worauf man sich einlässt und kann fortan unbeschwert lachen und schmunzeln. Natürlich verbirgt sich hinter all dem Klamauk auch eine Prise Romantik, denn Rosa darf Shakespeares Körper erst verlassen, wenn sie weiß, was wahre Liebe ist.


Radio HeimatIch muss zu allererst einmal ein Geständnis ablegen. Ich stamme nicht aus dem Ruhrgebiet! Ich weiß, ich weiß. Nicht jeder kann perfekt sein und ich bitte sogleich um Vergebung. Nichtsdestotrotz möchte ich auf Radio Heimat: Geschichten von zuhause eingehen. Ein Buch für Nostalgiker und solche, die den Ruhrpott mal von seiner schönsten Seite erleben möchten.

Frank Goosen beschreibt in seinem Buch das Leben, wie es war und ist. In seinen kurzweiligen Geschichten erzählt er von lustigen Anekdoten in seiner ganz eigenen, unverkrampften, ehrlichen Art. Für all jene, die diese Welt aus nächster Nähe kennen, wird es wie ein Blick in die eigene Vergangenheit. Von Tanten in engen Kitschschürzen, Bolzplätzen und Schrebergärten.

Dieses Buch ist einfach zum wegpacken und sentimental werden. Man lacht, man schwelgt in Gedanken und fühlt sich bestens unterhalten. Auch als Nicht-Heimischer bekommt man einen ganz privaten Einblick in das Leben und die Menschen vor Ort und fühlt sich gleich ein wenig heimelig.

Selbst die „Verpackung“ lässt einen sofort erahnen, was einen erwartet und führt zu sofortigen Sympathiebekundungen.

Wer also ein schnelles Lesevergnügen sucht, ein literarisches Häppchen für zwischendurch, der ist mit diesem Buch bestens aufgehoben und wird köstlich amüsiert.


Man tut was man kannIn diesem Buch geht es über Männer! Naja, und auch über Frauen, ach und eigentlich über alles was irgendwie mit diesen beiden Geschlechtern zu tun hat. Kurz gesagt, mit diesem Buch erlebt man Leben, in einer zugegebener Maßen leicht übertriebenen, dafür aber umso witzigeren Form.

Man tut was man kann erzählt die Geschichte von Paul aus der Ich-Perspektive. Dr. Paul Schuberth ist um die 40 ist sozusagen in seinen besten Jahren. Manch einer möchte hier von Midlife-Crisis reden, doch dem ist nicht so, wirklich nicht. Ok, vielleicht ein wenig. Viel Schlimmer sind aber seine stetig wachsende Zahl von Mitbewohner. Alles ein wenig schrullig, dafür aber umso knuffiger, sorry, männlich irritiertet meine ich natürlich.

Das Buch “Man tut was man kann” zeigt das (Gedanken)Leben von Männern. Unterschiedliche Männer, mit teilweise übereinstimmenden Ansichten und interessanten Herangehensweisen an die Probleme des Alltags. Wenn es um Männer und Wünsche geht, kann Sex natürlich nicht weit sein und so spielt der, wie unüblich, auch eine nicht all zu untergeordnete Rolle in diesem Roman.

Alles in Allem werden sie hier ein witziges Lesevergnügen vorfinden, das Beobachtungsgabe, Zynismus und Humor in gekonnter Art und Weise verbindet. Letztlich wird sich wohl gerade das weibliche Geschlecht über diesen Roman freuen, denn er zeigt, dass wir Männer eben manchmal auch nur verkappte Frauen sind.


SternschnuppenDer geneigte Leser, pardon die geneigte Leserin wird Anne Hertz vermutlich schon kennen. Glückskekse war einer ihrer ersten Romane und ist eingeschlagen wie ein Sahnetörtchen auf den Hüften. Sie gilt zwar als Vertreterin von typischen Frauenromanen, die auch gerne mal etwas kitschig daherkommen, aber immer durchweg gut lesbar sind und kurzweiliges Vergnügen bieten.

Mit Sternschnuppen ist Anne Hertz ihr vielleicht bisher bester Roman gelungen. Was ihn so besonders macht? Nun, zum einen wäre da der untypische Rollentausch. So ist die Protagonistin nicht wieder das trottelige Aschenputtel, das insgeheim nur darauf wartet gerettet zu werden. Nein, diese Frau ist eine Hoteldirektorin, die weiß was sie will. Leider kommt ihr dabei eine kleine Schwangerschaft in die Quere und zu allem Überfluss ist sie nun auch noch auf sich alleine gestellt, da sie ihren Freund mit der Sekretärin erwischt. Doch für eine Karrierefrau ist das kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Nichts, was man nicht auch mit einem Kindermädchen bewältigen könnte! Doch das möchte erst mal gefunden werden. Das Kindermädchen der Wahl heißt dann irgendwann Alexej und ist ein Mann, der wie man ihm jedoch zu Gute halten muss mit fünf Geschwistern eine ausreichende Qualifikation haben sollte.

Die Handlung der Story wird immer wieder mit der Hotelbranche verknüpft und zeigt auf witzige Art und Weise, wie es dort manchmal zugeht, nämlich drunter und drüber. Hotelkenner werden sich hier wiederentdecken und zustimmend nicken, wenn sie die Szenen lesen und gedanklich mit eigenen Erfahrungen in Verbindung bringen. Ein absolut gelungenes Buch.