Einmal durch die Hölle und zurück Einmal durch die Hölle und zurückMit seinem Debütroman „Schneller als der Tod“, konnte Josh Bazell, selbst studierter Literat und Arzt die Krimiwelt auf ein ganz neues Level führen. Klar, dass man bei seinem Nachfolger: „Einmal durch die Hölle und zurück“ nicht weniger erwartet. Doch wer nun angesichts dieses Titels einen reißerischen, blutrünstigen Thriller erwartet, wird schwerlich enttäuscht. Stattdessen gelingt es dem Autor aufs neue scheinbar unvereinbare Genre miteinander zu verknüpfen und eine Krimi-Chimäre zu zaubern.

Tatsächlich geht es in seinem neusten Werk erneut um den Ex-Mafiakiller Pietro Brwna. Dieser wird von einem IT-Millionär angeheuert die schöne, aber beziehungsgestörte Paläontologin Violeta auf ihrer Mission zu beschützen. Es geht um die Suche nach einem Monster. Nein, kein Serienkiller oder dergleichen. Ein wirkliches Monster, im Sinne von Nessie. Doch es soll sich in einem See in Minnesota befinden. Eine ausgewählte Gruppe von Jägern macht sich daran, dieses Ur-Vieh ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen. Überwacht von einem eigens dafür engagiertem Schiedsrichter, von dem ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten möchte. Nur so viel. Es ist eine freudige Überraschung.

Mit seinem ungewöhnlichen Stil, dem beißendem Humor und der eingebauten Gesellschaftskritik, hat Bazell erneut einen hochinteressanten Krimi geschaffen, der weit über das Übliche Maß von Ermittler fängt Täter-Romanen hinausgeht. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass es hier nicht allein um den Spannungsbogen geht, sondern der Subtext das Salz in der Suppe ist.


Sommerhaus mit Swimmingpool Sommerhaus mit SwimmingpoolMit „Angerichtet“ hat der niederländische Autor Herman Koch bereits einen Roman veröffentlicht, der die Abgründe des menschlichen Seins aufdeckt. Weniger in reißerischer Manier, denn mit sehr subtilem Charakter zeichnet er ein Abbild der Umgebung und gibt dem Leser einen Einblick ins Innerste seiner Figuren.

Psychologisch faszinierend fängt auch dieses Buch geradezu banal an. Wir erfahren von Marc Schlosser, seines Zeichens Allgemeinarzt, der sich allmählich mit Ralph Meier anfreundet. So geschieht es, dass beide samt Familien im Sommerhaus mit Swimmingpool ihren Sommer in Frankreich verbringen. In einem Rückblick werden die Geschehnisse dieser folgenschweren Begegnung aufgearbeitet und die Abgründe von vermeintlich normalen Menschen aufgedeckt.

In einer Rückschau erzählt der Autor von den Ereignissen und lässt den Leser mit jeder Seite weiter in die Psyche seiner Protagonisten. Es geht um Vertrauen und Misstrauen, von Fehleinschätzung und dem alltäglichen Wahnsinn.

Wie sehr kann man sich in seinem Gegenüber irren, es falsch einschätzen? Dieses Buch einen spannenden Thriller zu nennen, wird ihm nicht annähernd gerecht, denn man darf es nicht mit den üblichen Krimis gleichsetzen. Wer ein Blick hinter die Kulissen der menschlichen Natur werfen möchte, ist hier goldrichtig. Schlüssig aufgebaut und mit dem Prädikat: Pageturner!


der professor John Katzenbach   Der ProfessorDer Psychologieprofessor Adrian Thomas hat immer große Stücke auf seinen Intellekt gehalten. Da ist es für ihn geradezu tragisch, als er die Nachricht erhält an Demenz erkrankt zu sein. Nach sorgfältiger Überlegung gibt es für ihn nur einen Ausweg – Selbstmord. Als er den Entschluss in die Tat umsetzen möchte, wird er Zeuge einer Entführung. Zunächst unschlüssig darüber, ob das Geschehene tatsächlich passiert ist, macht er sich daran dem Ganzen auf den Grund zu gehen und muss entdecken, dass es real ist.

Denn was auch der Leser schnell erfährt, ist, dass das entführte Mädchen von einem sadistischen Pärchen gefangen gehalten wird. Sie möchten an ihr sadistische Spiele und Folterungen vollziehen, vor laufender Kamera. Denn es gibt ein großes Publikum, das befriedigt werden möchte.

John Katzenbachs Buch: Der Professor, geht bei den Schilderungen dieser Ereignisse sehr ins Detail und so ist man als Leser oftmals dazu geneigt das Buch aus der Hand zu legen. Nichts für Menschen mit schwachen Nerven oder einem empfindlichen Magen.

Obwohl nie reißerisch, treibt der Roman den Leser an den Rand seiner Grenzen. Gekonnt werden die vier Perspektiven der Protagonisten gewechselt und bringen so zusätzliche Spannung in das Buch. Ein sehr gelungener Psychothriller mit überzeugenden Figuren.


15
Dez 11

Cut

cut CutCut ist der Debütroman von Amanda Kyle Williams. Die Protagonistin, Keye Street, hat eine belebte Vergangenheit hinter sich. Als asiatisches Kind, wird sie von weißen Adoptiveltern großgezogen, nachdem ihre Großeltern starben und die leiblichen Eltern drogenabhängig sind, wird sie in deren Obhut übergaben. Ihr schwarzer Adoptivbruder ist zudem homosexuell, sodass man hier von einer wahren Patchworkfamilie sprechen kann.

Keye selbst arbeitete zunächst als Profilerin beim FBI, wurde dort jedoch aufgrund ihrer Alkoholsucht entlassen und verdient sich nun ihr Geld als Privatdetektivin, die die örtliche Polizei in besonders schweren Fällen unterstützt. In dem vorliegendem Thriller haben wir es mit einem brutalen Serienmörder zu tun, der seine geschmacklosen Mordphantasien durch Blogbeiträge verbreitet, die nichts für schwache Nerven sind.

Zusammen mit Lieutenant Aaron Rauser macht sich die Detektivin daran den bestialischen Serienkiller aufzuspüren, der offensichtlich ohne Gegenwehr seiner Opfer, in deren Heime gelangte.

Die Autorin hat viel Aufwand dabei betrieben das Profiling und die Ermittlungsarbeit zu beschreiben. Das artet hin und wieder etwas aus, stört den Spannungsbogen jedoch nicht. Dieser wird kontinuierlich aufgebaut und durch falsche Fährten untermauert.

Die Figuren sind sehr facettenreich dargestellt und keine plumpen Stereotypen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir noch mehr von Keye Street in nächster Zeit hören werden und freue mich darauf.


patricia Cornwell Flucht Flucht – Kay ScarpettaDas Buch Flucht von Patricia Cornwell wurde bereits 1992 veröffentlicht, damals noch unter dem Titel „Ein Mord für Kay Scarpetta“. Doch noch heute, 20 Jahre später, hat es nichts von seiner Brisanz und Spannung verloren. Im Gegenteil. Die Autorin Patricia Cornwell stand damals am Anfang ihrer Karriere und veröffentlichte dies als zweiten Band einer mittlerweile 18-teiligen Reihe.

Die Schriftstellerin Beryl Madiso ist Opfer eines äußerst brutalen Verbrechens geworden. Das ist umso merkwürdiger, da sie schon zuvor den Verdacht hegte in Gefahr zu sein, ihrem Mörder aber wohl vertraute. Offensichtlich hat es der oder die TäterIn auf ein Manuskript abgesehen, das nun fehlt und mehr Wert zu haben scheint als ein Menschenleben.

Die Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta macht sich daran, den Fall zu lösen. Die Autorin schafft es eindrucksvoll überraschende Wendungen in die Story einzubauen und so den Spannungsbogen hoch zu halten. Zudem kommen in ihren Büchern auch die Gefühle nicht zu kurz. So ist die Pathologin am Boden zerstört, als ihre Jugendliebe Mark ohne Vorwarnung plötzlich verschwindet. Doch sie kann auch anders, wenn sie bspw. einen Wutausbruch bekommt, weil man sie für etwas bezichtigt, das sie nicht begangen hat.

Insgesamt ist Flucht wohl einer des besten Romane von Cornwell und ein absolutes Muss für Krimi-Fans.


Mord auf Raten Mord auf RatenEs ist mal wieder Zeit für einen Krimi. Ihr habt sicher schon festgestellt, dass mich dieses Genre ganz besonders fasziniert. Andreas Franz hat mit seinem zweiten Band, Mord auf Raten, erneut Peter Brandt als Ermittler ins Boot geholt und einen spannenden Fall um den toten Dr. Jürgen Kaufung konzipiert.

Der junge Arzt war allseits beliebt, vor allem bei den Frauen, weshalb zunächst kein Motiv ersichtlich ist. Als der Kommissar dann seinen besten Freund und Galeriebesitzer Klaus Wedel ins Visier nimmt, stirbt auch diese Spur im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich mit dessen Tod. Doch worin besteht der Zusammenhang der beiden Morde?

Franz versteht es mit dem Buch einen sehr realistischen Krimi zu schreiben. Nachdem man durch das TV nur noch CSI-ähnliche Mordaufklärungen gewöhnt ist, wird hier der Schwerpunkt auf Dialoge gesetzt. Es führt nicht eine Spur zur nächsten. Stattdessen laufen die Ermittlungen auch gerne mal ins Leere und müssen mühsam wieder aufgenommen werden.

Neben dem Hauptkommissar kommt noch seine Partnerin und gleichzeitig Gerichtsmedizinerin Andrea Sievers häufig vor. Sie ist es auch, die einen entscheidenden Hinweis liefert. Weitere Akteure werden immer wieder in die Handlung eingeflochten, spielen aber keine allzu große Rolle.

Ein solides Hörbuch, mit einer großen atmosphärischen Dichte und realistischer Handlung.


Der dunkle Thron Die Waringham Saga Bd.4 Der dunkle Thron – Band 4Der vierte Band der Warhingham-Saga: Der dunkle Thron kommt fast ein wenig überraschend. Denn nach dem dritten Teil dachte man schon, es wäre vorbei. Doch Rebecca Gablé hat ein Ohr und ein Herz für ihre Leserschaft und beschert ihnen den so sehnsüchtig gewünschten weiteren Teil. Der Rosenkrieg aus den ersten drei Bänden ist jedoch endgültig vorbei, weshalb es im vierten Teil einen Zeitsprung hin zur Reformation gibt.

Henry Tudor VIII ist wohl einer der interessantesten und sagenumwobensten Könige Englands. Sein Bestreben, sich der katholischen Kirche zu entsagen, brachte einen gewaltigen Umbruch für das Land und die Menschen. Der dunkle Thron ist demnach mehr als bloße Unterhaltung. Das Buch ist wie eine Geschichtsstunde der damaligen Zeit und illustriert anschaulich die damaligen Umstände.

Die Charaktere werden zuweilen etwas einseitig dargestellt, so ist Mary hier die Gute, während Henry VIII als das Böse schlechthin dargestellt wird. Doch das tut der eigentlichen Handlung keinen Abbruch. Nicholas „Nick“ steht eine harte Zeit bevor, in der er als 14-Jähriger den Tod seines Vaters verkraften muss, die Baronie vor dem Untergang zu retten versucht und überdies sein Versprechen einlösen will, Mary zu beschützen. Reichlich viel für einen Teenager möchte man meinen.

Wer bisher noch nicht das Vergnügen hatte die Warhingham-Saga von Beginn an zu verfolgen, sollte die Gelegenheit nutzen und mit dem ersten Band beginnen: Das Lächeln der Fortuna.


Die Larve Harry Holes 9. Fall Jo Nesbo   Die LarveHarry Hole is back. Nach drei Jahren im selbstgewählten Hong Konger Exil treibt es ihn erneut nach Norwegen zurück. Der Sohn seiner großen Liebe, Rakel, ist von der ansässigen Polizei schnell zum Tatverdächtigen in einem Mordfall erklärt worden und Harry hofft nun, seine Unschuld beweisen zu können.

Oleg, Rakels Sohn, soll einen Drogendealer umgebracht haben. Bei seinen Ermittlungen stößt Harry auf das Norweger Drogenmilieu, welches ungeahnte Kreise zieht und selbst bei Beamten und weiteren hochrangigen Gesellschaftsmitgliedern nicht haltmacht. Leicht nachvollziehbar, dass Harry sich damit in Gefahr bringt und den Interessen vieler weiterer Akteure zuwiderläuft, die lieber im Dunkeln weiteragieren möchten. Eine neue Droge – Violin – sorgt in der Drogenszene für Furore. Nicht so tödlich wie Heroin, dabei aber länger wirksam. Alle Versorgungswege enden bei einem mysteriösen Geist namens „Dubai“.

In Nesbos neustem Roman – Die Larve – hat sich der Autor dazu entschieden, zwei Erzählstränge zu wählen. Den des allwissenden Erzählers und den des Opfers Gusto. Das führt insbesondere zu Beginn zu einiger Verwirrung, sorgt aber letztlich für die entscheidenden Puzzleteile zur Aufklärung des Falls. Manchem Leser mag der Anfang noch zu wenig actionlastig sein. Das ändert sich jedoch spätestens zur zweiten Hälfte des Romans und sorgt für jede Menge Spannung und den typischen Nesbo-Überraschungseffekt zum Schluss.


Septagon Richard Montanari – SeptagonSeptagon ist der mittlerweile vierte Band einer Romanserie von Richard Montanari, die sich um das Ermittlerduo Kevin Byrne und Jessica Balzano dreht. Die beiden Sonderermittler werden auch hier von der Mordkommission hinzugezogen, da diese auf der Stelle tritt.

Der Fall handelt von einem Mädchen in der Glasvitrine. Die Spuren führen zu einer älteren Dame, die aber kurze Zeit später selbst tot ist. Zurück bleibt eine kryptische Botschaft.

In seinem neusten Werk geht der Autor erneut den Weg einer zweigeteilten Perspektive. So weiß der Leser, im Gegensatz zu den Ermittlern, schon recht früh, wer der Serienmörder ist. Fans von Spannung bis zum letzten Augenblick und einem verdeckten Täter können sich hier demnach nicht austoben. Allerdings schafft es Montanari die Spannungskurve durch geschickte Perspektivenwechsel aufrechtzuerhalten.

Zudem bietet das äußerst detaillierte Psychogramm des Mörders einen tiefen Einblick in dessen Gedankenwelt. Man schaut ihm quasi über die Schulter. Obwohl die Brutalität dosiert eingesetzt wird, ist das nur etwas für starke Nerven.

Nichtsdestotrotz werden einige überraschende Wendungen eingebaut, so dass nicht alles vorhersehbar ist. Das verleiht dem Thriller eine besondere Atmosphäre und hält die Leser bei Laune.

Erneut ein hochinteressanter Krimi von Montanari. Sowohl für Neueinsteiger als auch für Fans der Serie geeignet.


Carneval Craig Russell – CarnevalEin Schotte, der über den Karneval in Kölle schreibt..!? Doch Craig Russell macht seine Sache mehr als gut. Der Autor hat einen Faible für Krimis, die in Deutschland spielen. Das hat ihm immerhin für seine gute Darstellung der Polizeiarbeit schon eine Auszeichnung vom Hamburger Polizeipräsidenten und Innensenator eingebracht.

Auch in Carneval geht es erneut um Hauptkommissar Jan Fabel. Er ist aufgrund verschiedener Schicksalsschläge und des Traumas einer guten Kollegin der Arbeit überdrüssig geworden. Es sollen seine letzten Wochen im Dienst sein. Ein Kölner Kollege bittet ihn allerdings um Rat in einer mysteriösen Mordserie mitten zur Karnevalszeit. Ein als Clown verkleideter Serientäter tötet zunächst seine Opfer und schneidet ihnen dann auch noch ein Stück Fleisch aus dem Allerwertesten. Fabel kann nicht widerstehen und führt die Ermittlungen fort. Er stößt dabei auf ein Geheimnis, das seine Wurzeln im Kannibalismus hat.

Russell versteht es, das Lokalkolorit gut wiederzugeben und zeichnet seine Protagonisten sehr gefühlvoll und authentisch. Ihre Schwächen und Ängste sind überzeugend und harmonieren sehr gut mit dem kontinuierlichen Spannungsbogen, der letztlich in einem fulminanten Finale mündet. Die einzelnen Handlungsstränge werden gut verwoben, was dem Leser kaum eine Verschnaufpause lässt und das Buch zum Page-Turner macht. Wieder eine ausgezeichnete Arbeit!