Richard David Precht schreibt thesenartig, wissenschaftlich fundiert, doch dabei recht populär. Wenngleich seine Fakten oft trockenen Charakters sind, schafft er es, diese informativ und mit belletristischem Charme zu vermitteln. Sein früheres Buch „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ thront stolz auf Platz drei der Beststeller-Liste des Jahrzehnts. Es wurde mittlerweile in 32 Sprachen übersetzt und über eine Million verkauft.
Sein 2010 veröffentlichtes Sachbuch „Die Kunst, kein Egoist zu sein“ schließt an diese philosophischen Fragestellungen an und verbindet diese gleichzeitig mit wirtschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Aspekten unserer Zeit. Er unterteilt seine Ausführungen grob in drei Kapitel und benennt diese „Gut und Böse“, „Wollen und Tun“ bzw. „Moral und Gesellschaft“. Er kommt schnell zur Einsicht, dass der Mensch das Bedürfnis hat, gut zu sein, aber dass verschiedene Faktoren dieses Ziel negativ beeinflussen. Als gesellschaftlichen Multiplikator führt er die Gruppendynamik an, die das eigene Bestreben verfälscht. Außerdem befindet er die Einführung des Geldes als Beginn eines Belohnungssystems, das jede gute Tat bezahlt wissen will. Das Ego selbst entwickelt Strategien als Entschuldigung für ein eventuelles Versagen auf dem Weg zur Unschuld, indem es vergleicht und verdrängt. Es sei absolut normal, dass auch überragend moralische Menschen Fehlern erliegen, vor denen sie andere wiederum gewarnt hatten. In der Gesamtheit wirken Prechts Ausführungen wie ein Manifest mit großem Wahrheitsgehalt und hilfreicher Leitfaden zum besseren Menschsein. Ebenso verweist er auf politische Umstände, die der Vervollkommnung des reinen Menschen im Wege stehen. Die Summe an Informationen und Querverweisen muss zum absoluten Verständnis erst noch vom Leser durchdacht werden, aber „Die Kunst, kein Egoist zu sein“ setzt eine fruchtbare Saat, die viele Früchte tragen kann.
